Takata-Pleite trifft deutsche Mitarbeiter und Autokonzerne wenig

Nach dem Rückruf von mehr als 100 Millionen Airbags hat der Autozulieferer Takata in Japan und den USA Insolvenz angemeldet. Das mit über 8 Milliarden Euro verschuldete Unternehmen beantragte am Montag Gläubigerschutz und soll jetzt für 1,4 Milliarden Euro von dem chinesisch-amerikanischen Konzern Key Safety Systems (KSS) übernommen werden - einschließlich der Takata-Werke in Deutschland mit ihren 3250 Mitarbeitern.
Takata-Pleite trifft deutsche Mitarbeiter und Autokonzerne wenig

Für sie wie für die deutschen Autokonzerne soll sich damit aber nur wenig ändern, sagte ein Sprecher. Die Tochter Takata Europa sei rechtlich eigenständig, finanziell solide und erwirtschafte gesunde Erträge - die Kosten der Rückrufe beträfen vor allem das Geschäft in Japan und den USA. «Ein Verkauf wird uns Sicherheit geben und unser Geschäft in Europa stärken», hieß es aus dem Unternehmen.

Takatas Europa-Zentrale mit Forschungs- und Entwicklungsabteilung sitzt in Aschaffenburg. Der Autozulieferer produziert in Bayern, Sachsen, Berlin und Ulm mit 3250 Mitarbeitern Airbags und andere Bauteile. Ein IG-Metall-Sprecher sagte, die Belegschaft sei am Morgen informiert worden: «Die Stimmung war ruhig. Die Beschäftigten haben seit Monaten eine Entscheidung erwartet und sehen nun eher das Ende einer ungewissen Situation kommen.»

Takata ist bei Airbags mit weltweit 20 Prozent Marktanteil ein führender Hersteller. Die Autokonzerne sollen ohne Unterbrechung weiter beliefert werden, teilte das Unternehmen mit. Volkswagen, Audi und BMW erklärten, sie rechneten nicht mit Engpässen oder wesentlichen Auswirkungen auf die Produktion. Man arbeite mit Takata an der Sicherstellung der Versorgung, berichtete Volkswagen. Opel und Daimler wollten sich nicht zu den Lieferbeziehungen äußern.

Die Rückrufe von Autos mit Takata-Airbags hatten die deutschen Autokonzerne in den vergangenen zwei Jahren schon viele hundert Millionen Euro gekostet. Ob sie das Geld je zurückbekommen werden, ist fraglich. Takata schrieb seit Jahren schon rote Zahlen. Japans Autohersteller haben sich bereits verpflichtet, Takata während des Insolvenzverfahrens finanziell zu unterstützen. «Das Unternehmen arbeitet darüber hinaus mit der Kundengruppe an einer Vereinbarung, dies auch auf globaler Ebene zu tun», teilte Takata mit.

Takata-Airbags mit dem Stoff Ammoniumnitrat konnten bei langer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit falsch auslösen und wurden in den USA für mehrere Todesfälle verantwortlich gemacht. Takata hat sich in einem Vergleich mit der US-Justiz auf Strafzahlungen in Höhe von einer Milliarde Dollar geeinigt.

Die japanische Großbank Sumitomo Mitsui will Takata einen Überbrückungskredit gewähren. Laut einer Grundsatzvereinbarung soll Takata für 1,4 Milliarden Euro an KSS verkauft werden. KSS wird demnach fast alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte überehmen, auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern.

Takata-Vorstandschef Shigehisa Takada sagte: «KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens.» Mit dem Zusammenschluss würde ein Anbieter von Auto-Sicherheitssystemen mit 60 000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen.

Mehr Mütter nehmen Elternzeit

Vor zehn Jahren wurde das Elterngeld eingeführt. Seitdem scheint es für viele Mütter attraktiver geworden zu sein, auch in Elternzeit zu gehen. Arbeitgeber und Gewerkschaften loben fast unisono - und sehen doch Probleme.
Mehr Mütter nehmen Elternzeit

Immer mehr Mütter nehmen Elternzeit - und kehren danach früher in den Job zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Während demnach im Jahr 2006 rund 27 Prozent der Mütter zwischen Geburt und erstem Geburtstag ihres Kindes in Elternzeit waren, verdoppelte sich der Anteil auf knapp 60 Prozent aller Mütter im Jahr 2014. Im zweiten Lebensjahr des Kindes - also zwischen erstem und zweitem Geburtstag - waren hingegen mehr Mütter berufstätig: Es arbeiteten rund 43 statt zuvor 35 Prozent. Auch im dritten Lebensjahr nahm der Anteil berufstätiger Mütter zu.

Vor zehn Jahren, zum 1. Januar 2007, war das Elterngeld eingeführt worden. Das IW wies jedoch darauf hin, dass nicht abschließend geklärt werden kann, ob die staatliche Leistung für die Entwicklung verantwortlich ist. Dennoch lasse sich sagen, «dass Mütter heute deutlich früher wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren».

Arbeitgeber und Gewerkschaften begrüßten die Zahlen gleichermaßen. Der Arbeitgeberverband BDA verwies jedoch darauf, dass es für Unternehmen schwieriger geworden sei, für Mütter geeignete Vertretungen zu finden, wenn sie nach der Geburt kürzer aussetzten. «Gerade für kleinere Firmen können sich so personelle Engpässe ergeben», sagte ein Sprecher. Befristete Arbeitsverträge und Minijobs dürften zum Ausgleich dessen nicht «diffamiert werden».

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) meinte hingegen, Mütter und Väter hätten weiterhin Schwierigkeiten, ihren Wünschen entsprechend in den Job zurückzukehren. Aus der Rechtsberatung der Gewerkschaften seien viele Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber die Rückkehr von Müttern in Teil- oder später Vollzeit zu verzögern versuchten. «Flexibilität im Sinne der Beschäftigten» werde vielerorts vermisst. Die Arbeitgeber seien dafür verantwortlich, flexible Lösungen zu schaffen - und etwa von einer «Präsenzkultur» im Job abzurücken.

Die Studie des IW zeigt weiterhin, dass trotz Elterngelds rund 30 Prozent aller Mütter von Kleinkindern unter vier Jahren gar nicht erwerbstätig sind (Zahlen von 2014). Diese Zahl bezeichnete der Arbeitgebersprecher als «eindeutig zu hoch». Den Grund dafür sah er in falschen Anreizen bei Steuern und Sozialabgaben. Etwa die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern in der Krankenkasse und das Ehegatten-Splitting begünstigten Alleinverdiener-Familien.

Audi-Betriebsrat fordert Elektroautos auch für deutsche Werke

Audi-Betriebsratschef Peter Mosch hat die Entscheidung des Vorstands kritisiert, auch das zweite Elektroauto der VW-Tochter in Brüssel zu bauen. Bei der Belegschaft in Ingolstadt und Neckarsulm sorge das für Kritik und Zukunftsängste. «Wenn die Unternehmensleitung keine Perspektiven für gefüllte Produktionslinien in Deutschland aufzeigt, sondern nur für unsere ausländischen Standorte, ist der Unmut verständlich und mehr als gerechtfertigt», sagte Mosch am Donnerstag, 22. Juni 2017.
Audi-Betriebsrat fordert Elektroautos auch für deutsche Werke

Das für 2019 angekündigte E-Auto werde auf derselben Plattform gebaut wie der schon 2018 startende Elektro-SUV. Insofern sei die Entscheidung zwar nachvollziehbar - aber auch in Deutschland müssten in Zukunft volumenstarke, alternativ angetriebene Modelle vom Band fahren. Dafür müsse Audi den Beschäftigten endlich Perspektiven aufzeigen, forderten Mosch und Betriebsrats-Vizechef Rolf Klotz.
Audis erklärtes Ziel ist, dass in neun Jahren mindestens ein Viertel aller verkauften Autos elektrisch fährt. In Ingolstadt beschäftigt Audi 44 000, im schwäbischen Neckarsulm 17 000 Mitarbeiter.

Allianz streicht Hunderte Stellen in Deutschland

Der Versicherer Allianz will in den kommenden drei Jahren Hunderte Stellen in Deutschland streichen. Insgesamt sollen bis 2020 rund 700 Vollzeitstellen wegfallen, wie ein Sprecher der Deutschlandsparte des Dax-Konzerns am Freitag (23.06.) auf Anfrage sagte. Darüber spreche man derzeit mit den Arbeitnehmervertretern. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» über die Pläne berichtet.
Allianz streicht Hunderte Stellen in Deutschland

Bestimmte Funktionen werden an einigen Standorten zusammengelegt. So soll etwa die Verwaltung des Unfallversicherungsgeschäfts künftig nur noch in Berlin und München sitzen, nicht mehr zusätzlich in Leipzig, Hamburg und Stuttgart. Der Konzern investiere in die Digitalisierung, um Kunden besser und schneller bedienen zu können, so der Sprecher. Der Stellenwegfall sei eine Konsequenz daraus.
Der Stellenabbau solle fair und sozialverträglich geschehen, so die Allianz. Dazu sei aber auch Flexibilität bei den Mitarbeitern gefragt, die gegebenenfalls für neue Tätigkeiten umlernen müssten. In Deutschland beschäftigt der Versicherungskonzern rund 29 000 Mitarbeiter.

Über 1000 Uber-Mitarbeiter wollen Ex-Chef im Tagesgeschäft zurück

Der nächste Chef von Uber kann sich auf einen harten Job einstellen. Nicht genug, dass massiver Wandel durchgesetzt werden muss, viele Mitarbeiter trauern auch noch dem geschassten Vorgänger Travis Kalanick nach. Das könnte Kandidaten für den Posten abschrecken.
Über 1000 Uber-Mitarbeiter wollen Ex-Chef im Tagesgeschäft zurück

Der nach einer Serie von Skandalen vom Chefposten herausgedrängte Uber-Mitgründer Travis Kalanick genießt weiterhin starken Rückhalt in Teilen der Belegschaft. Über 1000 Mitarbeiter des Fahrdienst-Vermittlers unterstützten kurz nach seinem Rücktritt einen Aufruf, den 40-Jährigen wieder ins Tagesgeschäft zurückzubringen.

Kalanick könne sich noch zu der Führungsfigur entwickeln, die Uber brauche und sei «entscheidend für unseren zukünftigen Erfolg», heißt es in der E-Mail an den Verwaltungsrat, die unter anderem die Nachrichtenwebsite «Axios» in der Nacht zum Freitag veröffentlichte. Die Initiative kam der «New York Times» zufolge von einem Uber-Produktmanager, der einst im Alter von 18 Jahren als Schulabbrecher von Kalanick persönlich eingestellt worden war.

Uber hat rund 14 000 Beschäftigte - die Fahrer, die als eigenständige Unternehmer ihre Dienste auf der Uber-Plattform anbieten, sind in dieser Zahl nicht berücksichtigt.

Die spürbare Unterstützung für die Petition in der Uber-Belegschaft belegt, wie groß die Herausforderung für Kalanicks Nachfolger oder Nachfolgerin werden wird. Es stehen massive Veränderungen an Strukturen, Abläufen und Firmenkultur an. Und Kalanick, der eigentlich nicht zurücktreten, sondern die Investoren mit einer unbefristeten Auszeit befrieden wollte, wird vom Verwaltungsrat aus über die Schulter schauen. In dem Aufsichtsgremium hat sein Lager dank Aktien mit höheren Stimmrechten die Kontrolle.

Als mögliche Nachfolgerin wurde in den vergangenen Tagen unter anderem Facebook-Managerin Sheryl Sandberg gehandelt, die als Architektin des Geschäftserfolgs hinter der Vision von Gründer Mark Zuckerberg gilt. Aber in US-Medien hieß es schnell, sie sei nicht interessiert. Außerdem fielen noch Namen von Ex-Ford-Chef Mark Fields und zwei einstigen «Kronprinzen», die in ihren Unternehmen doch nicht zum Zuge kamen. Sowohl Thomas Staggs bei Disney als auch Nikesh Arora beim japanischen Technologiekonzern Softbank gingen, weil die Chefs länger als ursprünglich geplant an der Spitze blieben.

Kalanick war diese Woche zurückgetreten, nachdem ihn fünf Uber-Geldgeber, die rund 40 Prozent der Stimmrechte halten, dazu aufgefordert hatten. Uber hatte sich in den vergangenen Monaten in eine Serie von Skandalen und rechtlichen Problemen verstrickt. Eine Untersuchungskommission zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung fand gravierende Mängel, die Google-Schwesterfirma Waymo wirft Uber den Einsatz bei ihr gestohlener Roboterwagen-Technologie vor und die US-Justiz ermittelt wegen des Versuchs, Behörden-Kontrolleure mit einer falschen App-Version zu täuschen.

Studie: Deutschland bringt immer mehr Ältere in Beschäftigung

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschland hat bei der Integration von älteren Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt einen großen Sprung unter den westlichen Industrie- und Schwellenländern gemacht. So waren 2015 knapp zwei Drittel (66 Prozent) der 55- bis 64-Jährigen hierzulande beschäftigt, wie eine Studie des Beratungsgesellschaft PwC zeigt. 2003 habe die Quote noch bei 39 Prozent gelegen, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vorab vorlag. Die Bundesrepublik steht unter 34 untersuchten Mitgliedern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) damit auf Platz sieben.
Studie: Deutschland bringt immer mehr Ältere in Beschäftigung

«Der internationale Vergleich zeigt, wie sehr sich die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer verbessert haben», sagte PwC-Geschäftsführerin Petra Raspels. 2003 habe Deutschland weit hinter Dänemark und der Schweiz zurückgelegen. «Inzwischen ist dieser scheinbar uneinholbare Rückstand fast eliminiert.»

Die Kultur in deutschen Unternehmen habe sich geändert, sagte Raspels. Ältere Arbeitnehmer würden zunehmend wertgeschätzt. «Sie gelten als Bereicherung, nicht mehr als Belastung.» Zudem hätten die Hartz-Reformen Druck auf ältere Arbeitslose ausgeübt, da damit ihr Bezugsanspruch auf Arbeitslosengeld gesunken sei.
Auch die historisch gute Lage am Arbeitsmarkt dürfte älteren Arbeitnehmern geholfen haben: Zuletzt waren in Deutschland so wenige Menschen arbeitslos wie seit 26 Jahren nicht mehr.

Im gesamten PwC-Ranking springt die Bundesrepublik verglichen mit der Studie 2003 um zehn Plätze hoch auf Platz 15 - so große Fortschritte machte sonst nur Israel. Trotzdem bewegt sich die Bundesrepublik nur im Mittelfeld. Ganz vorn stehen Island, Neuseeland und Israel. Schlusslichter sind die Türkei, Luxemburg und Slowenien.

Nachholbedarf gebe es hierzulande etwa bei der Beschäftigungsquote der 65- bis 69-Jährigen. Sie befinde sich trotz deutlicher Fortschritte bei «international mäßigen» 15 Prozent. Auch beim durchschnittlichen tatsächlichen Renteneintrittsalter (2015: 62,8 Jahre) und bei der Weiterbildung Älterer ist der Abstand zur Spitze groß. Hier liegt Deutschland je auf Platz 20. Das seien die Schwächen des hiesigen Arbeitsmarkts, heißt es in der Studie.

Es gelte immer noch hartnäckige Vorurteile gegen Ältere abzubauen, meint PwC-Geschäftsführerin Raspels - etwa, dass sich Fortbildung nicht mehr lohne. Es stelle sich aber die Frage, ob die Politik überhaupt eine höhere Beschäftigung älterer Arbeitnehmern anstrebe. Schon jetzt habe eine halbe Million Menschen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, früher in Ruhestand zu gehen.

Zugleich werde die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland bis 2030 wegen der Überalterung der Gesellschaft deutlich sinken. Das sorge für Fachkräftemangel, sagte Raspels voraus. «Sollte die Politik die Hartz-Gesetze und die "Rente mit 67" weiter aufweichen, wird die positive Entwicklung der vergangenen 15 Jahre gefährdet.»

Unionskreise: Koalition verständigt sich auf Pflegeausbildungsreform

Berlin (dpa) - Die Koalitionsfraktionen haben sich auf letzte Details der Reform der Pflegeausbildung verständigt. Damit kann das sogenannte Pflegeberufegesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. Wie am Freitag aus Unionskreisen zu erfahren war, soll das Gesetz nun 2020 in Kraft treten und damit ein Jahr später als bisher geplant.
Unionskreise: Koalition verständigt sich auf Pflegeausbildungsreform

Zentrale Änderung des Gesetzes ist, dass sich die Auszubildenden nach zwei Jahren entscheiden können, ob sie die generalistische Ausbildung weiter machen oder sich im letzten Jahr auf Kinderkrankenpflege oder Altenpflege spezialisieren wollen.

Die Koalitionsfraktionen verständigten sich auch darauf, dass nach sechs Jahren geprüft werden soll, wie viele Auszubildende sich spezialisiert haben und wie viele ihren ursprünglichen Berufswunsch während der Ausbildung abgeändert haben. Wenn sich 2026 etwa herausstellen sollte, dass sich mehr als die Hälfte der Auszubildenden für die Generalistik entscheidet, könnte man nochmals neu über die Spezialausbildung nachdenken.

Der Bundestag will sich zudem eine Mitsprache bei der Umsetzung des Gesetzes in die Praxis, bei der sogenannten Durchführungsverordnung, offenhalten. Hier geht es unter anderem um die Ausbildungsfinanzierung oder die Kooperation der Schulen und der Ausbildungsstätten.

BIBB-Analyse

Trotz zahlreicher Maßnahmen zur Förderung der Ausbildung von Frauen in technischen Berufen konnte ihr Anteil in den letzten mehr als 20 Jahren nicht gesteigert werden. So lag der Anteil im Jahr 2015 mit 12,4 Prozent auf dem Niveau des Jahres 1993.
BIBB-Analyse

Dies ergibt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen in technischen Ausbildungsberufen.
Obwohl diese Bilanz zahlenmäßig ernüchternd ausfällt, lohnt dennoch ein genauerer Blick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in technischen Ausbildungsberufen. Denn wie die BIBB-Auswertung auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zeigt: Es gibt durchaus »frauentypische« Technikberufe, auch wenn es nur wenige sind.
Hierzu zählen zum Beispiel der/die Augenoptiker/-in (Frauenanteil: 72 Prozent), der/die Biologielaborant/-in (66 Prozent), der/die Mediengestalter/-in Digital und Print (60 Prozent), der/die Zahntechniker/-in (60 Prozent) sowie der/die Hörgeräteakustiker/-in (58 Prozent).
Der hohe Frauenanteil gerade in diesen Berufen belegt, dass Frauen bei der Wahl eines technischen Ausbildungsberufes mehrheitlich diejenigen mit einer gesundheitstechnischen beziehungsweise kreativen Ausrichtung bevorzugen.
Die überwiegend »männertypischen« Technikberufe stammen dagegen alle aus dem Produktionssektor. Beispielhaft hierfür stehen der/die Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in, der/die Elektroniker/-in, der/die Metallbauer/-in, der/die Informationselektroniker/-in sowie der/die Kfz-Mechatroniker/-in. In diesen Berufen liegt der Männeranteil bei 96 bis 99 Prozent.
Die BIBB-Auswertung weist ferner auf einen »Bildungsvorsprung« der Frauen gegenüber den Männern hin, denn Frauen verfügen häufig über eine höhere schulische Vorbildung.
Liegt der Anteil der Studienberechtigten an der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System aktuell bei 27,7 Prozent, so steigt er bei einer geschlechterspezifischen Unterscheidung bei den Frauen auf 34 Prozent an, während der Anteil bei den Männern auf 24 Prozent sinkt. Betrachtet man nur die technischen Berufe, geht die Schere zwischen Männern und Frauen noch weiter auseinander, denn hier liegt der Anteil der Frauen mit Studienberechtigung bei 44 Prozent (Männer: 23 Prozent).
Traditionell befinden sich im System der dualen Berufsausbildung mehr Männer als Frauen (rund 60 zu 40 Prozent), insbesondere weil hier gewerblich-technische Berufe von großer Bedeutung sind. Was die schulische Berufsausbildung in den Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens betrifft, verhält es sich umgekehrt: Sie wird in mehr als drei Viertel aller Fälle von Frauen gewählt.

Wirtschaft 4.0

Eine repräsentative Befragung von rund 12.000 Betrieben durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass inzwischen alle Wirtschaftsbereiche und der Großteil der Betriebe von Digitalisierung betroffen sind. Bislang habe sich die Digitalisierung dabei insgesamt nicht auf die Anzahl der Beschäftigten ausgewirkt, berichten die Arbeitsmarktforscher Anja Warning und Enzo Weber. Teilweise habe sich aber die Dynamik der Einstellungen und Abgänge von Beschäftigten erhöht.
Wirtschaft 4.0

Warning und Weber unterscheiden in ihrer Studie zwischen drei Formen der Digitalisierung: der internen Digitalisierung, also der digitalen Vernetzung der internen Produktions- oder Dienstleistungskette, der externen Digitalisierung, also der digitalen Vernetzung mit Zulieferern oder Kunden, und dem Einsatz lernender Systeme. Bei interner und vor allem bei externer Digitalisierung berichtete die deutliche Mehrheit der Betriebe von einem leichten oder starken Digitalisierungs-Trend. Der Einsatz lernender Systeme wurde dagegen nur von einer Minderheit angegeben.

»Die zunehmende Digitalisierung bringt beträchtliche Veränderungen in der betrieblichen Personalpolitik mit sich«, betonen Warning und Weber. Beispielsweise beeinflusse die Digitalisierung die Anforderungen, die seitens der Arbeitgeber an neues Personal gestellt werden. »Eine zentrale Rolle spielen dabei Kenntnisse, die durch Weiterbildung erworben werden, sowie sozial-kommunikative Kompetenzen, die von den Arbeitgebern auf dem Weg zu Wirtschaft 4.0 zunehmend nachgefragt werden«, so Warning und Weber. Neueinstellungen in Betrieben mit Digitalisierungstrend seien außerdem mit höheren Anforderungen an die zeitliche und inhaltliche Flexibilität der neuen Mitarbeiter verknüpft. Warning und Weber stellen zudem fest: »Obwohl im Zuge der Digitalisierung teilweise Engpässe bei der Besetzung offener Stellen auftreten und die Anforderungen steigen, zeigen sich bislang keine spürbaren Lohneffekte.«

Die aufgrund der Digitalisierung steigenden Anforderungen können der Studie zufolge einerseits die Handlungs- und Entwicklungsspielräume für die Beschäftigten erhöhen, andererseits aber die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zunehmend verschwimmen lassen. »Hier ist eine betriebliche Personalpolitik gefragt, die bei der Formulierung von Anforderungen die unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten verschiedener Gruppen von Beschäftigten berücksichtigt. Gesetzliche Regelungen müssen nach wie vor dem Schutz der Beschäftigten vor Überlastung gerecht werden, sollten aber auch Möglichkeiten bieten, auf der betrieblichen und sozialpartnerschaftlichen Ebene einzelfallgerechte Lösungen zu erarbeiten«, schreiben Warning und Weber. Gegenstand solcher Pakete könnten etwa Anpassungen der Arbeitszeit und der Vorlauf bei ihrer Ankündigung sein, außerdem die Lage der Arbeitszeit, Urlaubsregelungen oder individuelle Freistellungen beispielsweise für Weiterbildung oder für Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Bundesregierung: Digitalisierung macht neue Berufsbilder nötig

Meseberg (dpa) - Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich nach dem Willen der Bundesregierung möglichst rasch mit neuen Bildungsangeboten auf die Herausforderungen der Digitalisierung einstellen. Die Digitalisierung der Wirtschafts- und Arbeitswelt mache neue Formen der Aus- und Weiterbildung und neue Berufsbilder dringend nötig, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch nach einem Treffen mit den Spitzen von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften im brandenburgischen Schloss Meseberg.
Bundesregierung: Digitalisierung macht neue Berufsbilder nötig

Zugleich gelte es, soziale Standards zu beachten und Arbeitsplätze zu erhalten. Das Gespräch mit den Sozialpartnern habe bei allen Interessensunterschieden gezeigt, dass diese Veränderungen optimistisch und mit großer Ernsthaftigkeit angegangen würden, sagte Merkel. Bei diesen Veränderungen seien die Sozialpartner und auch der Staat gefragt.

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) unterstrich, in erster Linie seien bei diesen Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung die Unternehmen gefragt. Er ließ erkennen, dass er steuerliche Förderungen für diese ureigenste Aufgabe der Arbeitgeber ablehnt. Digitalisierung biete im übrigen mehr Flexibilität für Unternehmen und Beschäftigte. Um aber hier die Verteilungskonflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu lösen, werde sich wohl die soziale Marktwirtschaft einer neuen Bewährungsprobe stellen müssen, sagte Gabriel.

An dem Treffen im Gästehaus der Bundesregierung 70 Kilometer nördlich von Berlin nahmen auch DGB-Chef Reiner Hoffmann und Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer teil. Hoffmann reklamierte mehr Mitbestimmungsrechte der Gewerkschaften bei der Ausbildung.

Sowohl Merkel und Gabriel als auch Arbeitgeber und Gewerkschaften warnten angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierung vor zunehmendem Protektionismus. Wollseifer warnte aber offensichtlich mit Blick auf die entsprechenden Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Deutschland sollte sich weltweit für mehr Offenheit einsetzen.

Der DGB-Chef forderte allerdings die Regierung auf, für mehr Fairness bei der Globalisierung zu sorgen. Den Wohlfahrtsgewinn durch die Globalisierung könne man «deutlich fairer verteilen», sagte er.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA, Ingo Kramer, sagte, Trump verunsichere nicht nur die deutsche, sondern auch die eigene Wirtschaft mit seinen Protektionismus-Äußerungen. Positiv sei jedoch, dass inzwischen nichts mehr von US-Strafzöllen für deutsche Produkte zu hören sei.

Unterdessen ist Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorerst mit ihrem Vorhaben gescheitert, probeweise eine gesetzliche Öffnung für mehr Freiräume für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Gestaltung der Arbeitszeit durchzusetzen. Nahles räumte ein: «In der Bundesregierung haben wir keine Abstimmung hingekriegt.» Sie wolle das Thema aber weiterverfolgen.

Unternehmen sollten nach den Plänen von Nahles Veränderungen durch die Digitalisierung besser in Angriff nehmen können. Verstärkt sollten etwa Pausen zur Kinderbetreuung, Homeoffice am Abend oder Arbeitszeiten jenseits gesetzlicher Regeln ermöglicht werden.

Social Media


Besuchen Sie uns auf:
Facebook
Google Plus
Twitter

Kontakt

  • Zentrale: +49 (0) 2381 915-194
  • EMail

Sonstiges