Jahrelange Zeit-Experimente

Eine Umverteilung der Arbeit von Männern zu Frauen ist ein Ziel eines umstrittenen Gesetzentwurfs von Andrea Nahles. Doch für die Ministerin ist es nur ein Schritt für weitere Reformen bei der Arbeitszeit.
Jahrelange Zeit-Experimente

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) will eine größere Verbreitung von Teilzeitarbeit bei Männern erreichen. «Ich sehe den Anspruch auf befristete Teilzeit auch als Beitrag dafür, Männer zur Teilzeit zu ermutigen oder wenigstens zur Reduktion der Arbeitszeit», sagte Nahles am 17. Januar in Berlin bei einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Nahles hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Beschäftigte zeitlich befristet in Teilzeit arbeiten können - und danach wieder zu ihrer vollen Arbeitszeit zurückkehren dürfen. Das Recht soll in Betrieben ab 15 Beschäftigten greifen, ab sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses und auf Antrag drei Monate vorher.

Frauen könnten laut Nahles oft mehr arbeiten, wenn die Männer etwas weniger arbeiten und mehr Familienpflichten übernehmen. Viele Männer wollten das auch. Ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde umgekehrt gern länger arbeiten, meist Frauen. «Wenn Männer nicht mehr fürchten müssen, aus der Teilzeit nicht wieder herauszukommen, wäre damit auch eine hohe Hürde abgebaut.»

Die Arbeitgeber hatten die Gesetzespläne heftig als Eingriff in ihre Rechte kritisiert. DGB-Chef Reiner Hoffmann lobte sie im Grundsatz und zeigte sich zuversichtlich, dass das Gesetz nach heftigen parlamentarischen Debatten am Ende auch kommen werde.

Nahles machte deutlich, dass ihr Teilzeit-Gesetzentwurf nur ein erster Schritt für eine weitergehende Umgestaltung der Arbeitszeit sein soll: «Es ist für mich ein entscheidender Schritt in Richtung Wahlarbeitszeit.» Sicherheit der Beschäftigten solle mit mehr souveräner Einteilung der Zeit kombiniert werden. Schichtarbeit und feste Zeiten könnten für Beschäftigte auch zu eng sein. «Raus aus dem Takt und rein in den eigenen Rhythmus – genau das ist die Linie», umschrieb Nahles ihr Ziel.

Dazu sollten Firmen nun nach Absprache zwischen den Tarifpartnern in einer Experimentierphase vom Arbeitszeitgesetz abweichen können, bekräftigte Nahles. Derzeit laufe ein Auswahlprozess zu den teilnehmenden Unternehmen. Diese «Experimentierräume» würden dann über eine längere Dauer - mindestens zwei Jahre - offenstehen. «Wenn es sich bewährt, können wir über weitere Schritte nachdenken, wenn nicht, dann nicht», sagte Nahles.

«Ich bin der festen Überzeugung, dass die gesetzlichen Regelungen zu den Ruhezeiten und den Tageshöchstarbeitszeiten teilweise den Interessen der Beschäftigten entgegenstehen», sagte Nahles. «Ich bin Mutter einer sechsjährigen Tochter, mein Büroleiter hat vier Kinder. Wir arbeiten alle irgendwie so», sagte sie, also angepasst auch an die familiären Pflichten.

Wenn die Sozialpartner nun neue Arbeitszeitgestaltungen ausprobieren, seien aber dennoch klare Grenzen nötig - «vor allem für die maximale Länge der Arbeitszeit». Es müsse auch eine gesicherte Ruhezeit geben.

Hoffmann kritisierte die geplante Experimentierklausel. Eine Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit könne von interessierter Seite missbraucht werden, sagte er

Keine Bewegung in Tarifrunde für Geldboten

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 11 000 Beschäftigten der Geld- und Werttransportbranche sind sich beide Seiten noch nicht näher gekommen. Es gebe bislang keine Bewegung, teilten Sprecher der Arbeitgeber und der Gewerkschaft Verdi am Montagnachmittag (16. Januar) in Hannover übereinstimmend mit.
Keine Bewegung in Tarifrunde für Geldboten

Entgeltforderung und -angebot lagen weit auseinander. Am Freitag hatten sich nach Verdi-Angaben rund 1000 Mitarbeiter in neun Bundesländern an Warnstreiks beteiligt. Wie der Bankendachverband Deutsche Kreditwirtschaft mitteilte, gab ist aber keine Engpässe an Geldautomaten.
Verdi verlangt für die Geldboten eine Lohnerhöhung von 1,50 Euro pro Stunde und eine Angleichung der regionalen Tariflöhne. So erhalte ein Berliner Geldtransporteur mit 11,24 Euro derzeit 4,49 Euro weniger als ein Kollege in Nordrhein-Westfalen. Vor allem in den östlichen Bundesländern, aber auch in Schleswig-Holstein, im Saarland und in Rheinland-Pfalz lägen die Stundenlöhne nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn.
Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste hat bisher Lohnerhöhungen von 2 bis 3 Prozent angeboten. Was Verdi fordere, entspreche einer Anhebung von mehr als 10 Prozent. Das könnten sich die Unternehmen in einem schrumpfenden Markt nicht leisten.

IT-Dienstleister CSC will mit HPE zum führenden Player aufsteigen

Der IT-Dienstleister CSC strebt nach dem Zusammenschluss mit HP Enterprise eine führende Position etwa im Geschäft mit Cloud-Diensten oder Sicherheitsanwendungen an. «Wenn wir uns richtig aufstellen, wird ein marktführender Player entstehen», sagte Claus Schünemann, Vorsitzender Geschäftsführer der CSC in Deutschland.
IT-Dienstleister CSC will mit HPE zum führenden Player aufsteigen

Die Stärken beider Unternehmen würden sich in vielen Bereichen ergänzen. Zum 1. April soll die Verschmelzung des Service-Geschäfts von Hewlett-Packard Enterprise mit dem von CSC abgeschlossen sein. «Die Vorbereitungen laufen auf Hochdruck.»
HP sei in vielen Bereichen gut aufgestellt, wo CSC «unterbelichtet» sei - und umgekehrt, so Schünemann. Und die Kulturen beider Unternehmen seien sich sehr ähnlich. «Der Zusammenschluss ist eine logische Konsequenz.» Zu möglichen Stellenstreichungen machte Schürmann keine Angaben. Kerngeschäft des neuen Unternehmens solle die Beratung und Begleitung der digitalen Transformationsprozesse in den «Schlüsselindustrien» sein. «Wir wollen die Konsolidierung im IT-Markt gestalten», sagte Schünemann.
Der Silicon-Valley-Pionier Hewlett-Packard hatte sich in zwei Unternehmen aufgespalten - den Hardware-Konzern HP Inc. mit PCs und Druckern und das Firmenkunden-Geschäft HPE. Beide haben einen Stellenabbau hinter sich. HPE geht nun mit CSC zusammen. Das US-Beratungsunternehmen war lange traditionell auf die Optimierung von Geschäftsprozessen und das Outsourcing spezialisiert.

Nachfrage aus Ölbranche wird noch lange schwächeln

Ob in der Hebebühne am Moskauer Bolschoi-Theater oder in Schleusentoren des neu gebauten Panamakanals - Hydraulik-Elemente des Industrieunternehmens Bosch Rexroth sind auf der ganzen Welt verbaut. Die Geschäfte der Firma liefen zuletzt nicht so gut - und jetzt?
Nachfrage aus Ölbranche wird noch lange schwächeln

Bosch Rexroth sieht für sein schwächelndes Industriehydraulik-Geschäft kein Licht am Ende des Tunnels. Die Öl-, Bergbau- und Stahlbranchen lägen weltweit am Boden - «wir erwarten, dass sich diese angespannte Situation in den nächsten fünf Jahren fortsetzen wird», sagte Firmenchef Rolf Najork der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die Bosch-Tochterfirma mit ihren 31 000 Mitarbeitern ist Zulieferer für diese Branchen. Ein Drittel des Geschäftsvolumens entfällt auf die Industriehydraulik, etwa mit Ventilen, Pumpen und Riesenzylindern. Letztere wurden beispielsweise bei Panamakanal-Schleusen genutzt.

Auch wegen des niedrigen Ölpreises seien die Rohstoff-Branchen in einem Tief, es hätten sich «gewaltige Überkapazitäten» aufgebaut, sagte Najork. Die Nachfrage nach Hydraulik-Produkten sei entsprechend niedrig. «Wer profitabel bleiben will, der muss seine Strukturen an die Marktsituation anpassen und eine hohe Fertigungseffizienz haben», sagte der 55-Jährige.

Zum Geschäftsverlauf 2016 wollte Najork noch keine Zahlen nennen, dies soll wie üblich erst im April geschehen. Eher vage sagte er: «Obwohl der Markt sehr angespannt gewesen ist, haben wir unsere Ziele für 2016 erreicht.» 2015 hatte Bosch Rexroth einen Umsatzrückgang von 3,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro verbucht.

Die Bosch-Tochter mit Sitz in Lohr (Bayern) sowie Standorten in Horb am Neckar und Schwieberdingen (Baden-Württemberg) sowie anderen Orten hat einen Sparkurs hinter sich, etwa 1500 Stellen in der gesamten Firma wurden bereits abgebaut oder werden dies noch bis Ende 2018. Bei dem sozialverträglichen Stellenabbau liege man im Plan, sagte Najork. Man sei «moderat» vorgegangen - im Gegensatz zur US-Konkurrenz. Najork betonte, er glaube auf lange Sicht an erfolgreiche Geschäfte in der Industriehydraulik. Man setze verstärkt auf Elektronik und IT in den Produkten, die vernetzt werden und damit auch den «Industrie 4.0»-Anforderungen entsprechen. «Wir sind einer der Weltmarktführer in der Hydraulik, das wollen wir bleiben.»

Zweites Standbein von Bosch Rexroth ist die sogenannte Mobilhydraulik, die in Baggern, Gabelstaplern oder Tunnelbohrern zum Einsatz kommt. «Hier stellen wir eine ganz leichte Belebung fest», sagte Najork. «Wir gewinnen wieder Marktanteile in einem insgesamt aber noch schwachen Markt.» Am besten laufen die Bosch-Rexroth-Geschäfte hingegen in der Fabrikautomatisierung. Hier werden Steuerungselemente für Montageanlagen verkauft. «Die Geschäfte in der Fabrikautomatisierung gehen nach oben - das ist unser Haupt-Wachstumsgebiet.» Auf die drei Geschäftsfelder entfällt den Angaben zufolge je etwa ein Drittel des Umsatzes.

Bremer Landesbank baut 200 Stellen ab

Die Übernahme der Bremer Landesbank durch die NordLB ist durch - jetzt stehen die nächsten Schritte an. Auch Stellenabbau gehört dazu. Und die Schiffskredite, die die Landesbank erst in den Strudel gerissen haben, werden massiv reduziert.
Bremer Landesbank baut 200 Stellen ab

Bei der Bremer Landesbank (BLB) sollen rund 200 Jobs gestrichen werden. «Die Mitarbeiter wissen, dass sich der Stellenabbau wahrscheinlich um die 20 Prozent bewegen wird - und das soll möglichst sozialverträglich erfolgen», sagte der neue Vorstandschef Christian Veit dem Bremer «Weser-Kurier». Die Landesbank hat rund 1000 Beschäftigte. Wie der Stellenabbau im Detail aussehen wird, wollte Veit im Interview nicht sagen. «Das Konzept soll im ersten Halbjahr 2017 stehen und innerhalb der kommenden drei Jahre umgesetzt sein», sagte er. Im Mittelpunkt stünden zunächst Überlegungen zur künftigen Strategie.

Die BLB war wegen fauler Schiffskredite in Schieflage geraten. Daher übernahm die niedersächsische NordLB das Institut zu Jahresbeginn zu 100 Prozent. Für 2016 erwartet das Bankhaus einen hohen dreistelligen Millionenverlust, die Risikovorsorge für Schiffskredite wurde auf insgesamt eine Milliarde Euro erhöht. Schon im ersten Halbjahr 2016 belief sich das Defizit wegen Wertberichtigungen auf 384 Millionen Euro nach Steuern.

Vor diesem Hintergrund war eine Komplettübernahme der zweitkleinsten deutschen Landesbank durch die NordLB vereinbart worden, die zuvor bereits 54,8 Prozent an der BLB hielt. Das Bundesland Bremen verkaufte dazu seinen 41-Prozent-Anteil. Auch der Sparkassen- und Giroverband Niedersachsen (SVN) verkaufte seine knapp 4 Prozent an die NordLB. Nach der Einigung hatten der bisherige Vorstandschef Stephan-Andreas Kaulvers und sein Stellvertreter Heinrich Engelken ihre Posten zur Verfügung gestellt.

Gut aufgestellt sei das Geldhaus im Segment der erneuerbaren Energien und bei Firmenkunden, sagte Veit der Zeitung: «Damit können wir mehr Stetigkeit in die Gewinn- und Verlustrechnung bringen.» Mit der NordLB würden die weiteren Leitlinien für die Bremer Landesbank vereinbart.

Die Schiffskrise als Auslöser der Schieflage der Landesbank sei sei aber längst nicht vorbei, warnte er. «Das Schifffahrtsportfolio der Bank war zu groß und die Krise zu lang, als dass die BLB das hätte allein schultern können.» 2008 sei der Höhepunkt mit mehr als 1000 Schiffen im Bestand erreicht worden. Bis Mitte 2017 solle der Bestand auf die Hälfte abgebaut sein, in den vergangenen drei Jahren sank der Bestand um rund ein Drittel.

Wassersport-Branche optimistisch

Mehr Neueinsteiger in den Wassersport machen die Branche in Deutschland zuversichtlich. Jährlich etwa 7000 bis 7500 neue Bootseigner sorgten für gute Geschäfte, berichtete der Bundesverband Wasserwirtschaft am Donnerstag in Düsseldorf vor Beginn der weltgrößten Wassersport-Messe «Boot» (21. bis 29. Januar). Hinzu komme eine noch größere Anzahl an Wassersport-Fans, die sich zunächst oder auch auf Dauer mit einem gecharterten Boot begnügten.
Wassersport-Branche optimistisch

Zu den Neueinsteigern zählten vor allem junge Familien mit Kindern, berichtete der Geschäftsführer des Wassersportverbands, Jürgen Tracht. Gefragt seien zunehmend die im Vergleich zu Segelbooten einfacher zu fahrenden Motorboote.

Den Neueinsteigern stünden allerdings jährlich rund 9000 Aussteiger aus dem Bootssport gegenüber, so dass die Zahl von bundesweit rund 480 000 Bootseignern aktuell weiter sinke. Mit einem Durchschnittsalter von derzeit etwa 60 Jahren würden die Bootseigner immer älter.

Viele Besitzer nutzen ihre Schiffe zudem eher als eine Art schwimmendes Wochenendhaus. So liege Zahl der durchschnittlichen Betriebsstunden bei Motorbooten im Jahr lediglich bei etwa 60 bis 80. Im Gegenzug werde von den Schiffseignern zunehmend Wert auf eine komfortable Ausstattung mit Heizung, Kühlschrank und Herd gelegt.

Für 2016 rechnet die Branche mit einem Gesamtumsatz mit Gütern und Dienstleistungen von rund 2,0 Milliarden Euro, nach 1,8 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Umsätze mit sogenannten Megajachten sind in diesen Zahlen allerdings nicht enthalten. Bei neuen Booten könnten sich die Verbraucher auf stabile Preise einrichten, während für hochwertige Gebrauchte tendenziell mehr bezahlt werden müsse, berichtete Tracht.

Auf der «Boot» präsentieren in diesem Jahr neun Tage lang 1813 Aussteller aus 70 Ländern ihre Produkte vom Surfbrett bis zur Luxusjacht. Insgesamt sollen in den Messehallen 1800 Schiffe vom Schlauchboot bis hin zur rund 8,5 Millionen Euro teuren Luxusjacht zu sehen sein. Erwartet werden rund 250 000 Besucher.

Kabinett beschließt Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit

Nach langem Streit in der großen Koalition hat das Kabinett den Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen beschlossen. Kern ist die Einführung eines Auskunftsanspruches: Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten sollen das Recht erhalten, Angaben über die Bezahlung einer Vergleichsgruppe zu erhalten. Damit sollen vor allem Frauen Benachteiligungen erkennen und dagegen vorgehen können.
Kabinett beschließt Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die Verabschiedung am 11. Januar als «Durchbruch». Die bestehende Lohnlücke von 21 Prozent sei ungerecht, sagte sie. «Deshalb brauchen wir dieses Gesetz». Damit werde auch die Unternehmenskultur verändert. Die neue Regelung betreffe 14 Millionen Männer und Frauen. In Unternehmen mit Betriebsrat soll dieser das Recht auf Auskunft umsetzen.

Rund 4000 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sollen zudem regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten. 6300 Betriebe werden aufgefordert, entsprechende Prüfverfahren einzuführen. Zwei Jahre war an dem Entwurf gearbeitet worden, seit einem Jahr hatte die Koalition darüber zäh verhandelt.

Schwesig nannt als wichtigste Ursache der Lohnungleichheit die «Teilzeitfalle», in die viele Mütter gerieten. Das Gesetz sei Teil einer Gesamtstrategie, zu der auch ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeitbeschäftigung gehöre. Aber auch ohne den Faktor Teilzeit und die Tatsache, dass etwa in schlecht bezahlten Pflegeberufen besonders viele Frauen arbeiten, beträgt die Lohnlücke nach Angaben des Ministeriums immer noch sieben Prozent.

Deutschlands Arbeitgeber halten das geplante Gesetz für unnötig und belastend. «Trotz wichtiger Korrekturen bleibt das Gesetz mit neuem Auskunftsanspruch, Regelungen über Prüfverfahren, Berichtspflichten, neuen Verfahren für den Betriebsrat und die Tarifvertragsparteien bürokratisch und erreicht nicht das Ziel, bessere Karrierechancen für Frauen zu schaffen», sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Die SPD-Ministerin forderte eine zügige Beratung, damit das Gesetz möglichst bald in Kraft treten kann. Die Union, die sich lange gegen das Gesetz gesperrt hatte, begrüßte Änderungen am ursprünglichen Entwurf, kündigte aber eine weitere Überprüfung der Praxistauglichkeit im parlamentarischen Verfahren an. Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB unterstützt den Entwurf grundsätzlich, forderte aber, für Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten betriebliche Prüfverfahren verbindlich vorzuschreiben.

Notizblock

Jobwunder oder Demografiefalle?

Lange war das in Ostdeutschland kaum vorstellbar: Niedrigere Arbeitslosenquoten als in einigen westdeutschen Bundesländern, und Gutqualifierte können sich ihren Job aussuchen. Nach der Massenarbeitslosigkeit drohen jetzt massenhaft offene Stellen.
Jobwunder oder Demografiefalle?

Von Gießen, Hildesheim oder Bochum für einen interessanten Job nach Dresden, Halle, Jena, Rostock oder Potsdam umziehen? Michael Behr hofft auf eine solche West-Ost-Wanderung. «Hier werden bald unglaublich viele Posten bei Mittelständlern neu besetzt. Ostdeutschland wird zur Region der schnellen Karrieren», glaubt der Soziologieprofessor und Arbeitsmarktexperte.

Hunderttausende neue, sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden in den vergangenen zehn Jahren zwischen Ostsee und Erzgebirge. Die Arbeitslosenquote liegt nicht mehr fast doppelt so hoch, sondern mit 8,0 Prozent im Dezember nur noch einige Prozentpunkte über dem westdeutschen Schnitt von 5,3 Prozent.

Mehr noch: In Thüringen, dem Arbeitsmarktprimus im Osten, ist die Arbeitslosigkeit mit 6,3 Prozent nach den Statistiken der Bundesagentur erneut geringer als in Bremen, Hamburg, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Thüringens südliche Spitze zu Bayern, traditionell eine Pendlerregion, liegt im Dezember mit einer Quote von 3,5 Prozent nahe an der Vollbeschäftigung. Auch in den anderen neuen Ländern ist der Arbeitsmarkttrend positiv, allerdings mit großen Unterschieden - von 9,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 6,9 Prozent Arbeitslosigkeit in Sachsen.

«Unternehmen suchen händeringend gut ausgebildete und flexible Fachkräfte», sagt der Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius. Manche sprechen bereits von einer «Besetzungsnot». Auch sehen sich viele Nachwende-Gründer für ihre mittelständischen Betriebe nach Nachfolgern um. Von einem Beschäftigungswunder Ost ist dennoch nicht die Rede.

«Wenn man nur die Entwicklung der Arbeitslosenquote betrachtet, ist es ein großer Erfolg», so Senius. «Aber es ist falsch, daraus zu schließen, der Arbeitsmarkt ist ohne Probleme. Es gibt erhebliche Risiken.» Für Entspannung sorge in erheblichem Maß die Demografie: «Es gehen seit Jahren mehr Menschen in Rente als junge Leute ins Arbeitsleben kommen.»

Die Massenarbeitslosigkeit nach dem Strukturwandel in den 1990er Jahren führte zur massenhaften Abwanderung qualifizierter und vor allem junger Ostdeutscher. Nun sind die Folgen spürbar: Etwa jeder dritte Arbeitnehmer im Osten ist älter als 50 Jahre, sagen Untersuchungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesarbeitsagentur. Und der Anteil der Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen ist im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen.

Der demografische Effekt, der zur Entlastung des Arbeitsmarkts führt, ist damit Segen und Fluch zugleich. Schon jetzt sei die Beschäftigungsquote der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Sachsen und Thüringen höher als in den anderen Bundesländern, sagt Behr. Der Abteilungsleiter Arbeitsmarkt im Thüringer Sozialministerium ist Optimist. Doch eine Zahl treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn: Bis zum Jahr 2035 wird die Zahl der Erwerbsfähigen allein in Thüringen um 29 Prozent schrumpfen - und damit schneller als die Bevölkerung. «Im ländlichen Raum sind es sogar 35 Prozent.»

Fachleute sind sich einig: «Das Fachkräfteproblem kann ohne Zuwanderung aus anderen Bundesländern und vor allem dem europäischen Ausland nicht gelöst werden», sagt Agenturchef Senius. Die Hoffnung, dass viele Abwanderer und Pendler wieder Jobs in der Heimat annehmen, hat sich bisher nicht erfüllt. Senius: «Es pendeln weniger aus, aber es kommen nur wenige zurück.»

Ein Grund dafür ist das Lohnniveau - laut IAB steht im Osten im Schnitt etwa ein Fünftel weniger auf dem Gehaltszettel, in einigen Bereichen sind es bis zu 30 Prozent. Das liegt nach Meinung von Fachleuten auch an der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur und dem Mangel an Konzernzentralen mit ihren gut bezahlten Stellen.

Behr verweist auf tendenziell steigende Löhne und Gehälter, mögliche Karrieresprünge und einen Vorteil, mit dem der Osten auch punkten könne: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. «Es gibt gute Kinderbetreuungsangebote und vergleichsweise günstige Möglichkeiten, ein Häuschen zu erwerben.»

Lufthansa will mehr als 3000 neue Mitarbeiter einstellen

Die Lufthansa will wie in den vergangenen Jahren auch 2017 Tausende neue Mitarbeiter einstellen. Konzernweit würden mehr als 3000 Mitarbeiter gesucht, teilte Deutschlands größte Fluggesellschaft am 4. Januar in Frankfurt mit. Überwiegend sollen vorhandene Stellen in Deutschland nachbesetzt werden, erklärte ein Sprecher. Die Neueinstellungen erfolgen nach seinen Angaben zu den jeweils geltenden Tarifverträgen.
Lufthansa will mehr als 3000 neue Mitarbeiter einstellen

Gesucht werden unter anderem 2200 Flugbegleiter. 1400 davon will die Lufthansa an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München einstellen, 500 sollen bei der Swiss einen Job bekommen, 200 bei der Eurowings und 100 bei der Austrian Airlines. Bei der Austrian Airlines sind darüber hinaus gut 200 weitere Neueinstellungen geplant, bei der Lufthansa Technik werden etwa 450 Mitarbeiter gesucht.

Die Lufthansa-Gruppe hat weltweit 120 000 Mitarbeiter, in Hessen ist die Fluggesellschaft mit 37 000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber. Ob die Mitarbeiterzahl im Gesamtjahr im Zuge der Neueinstellungen steigen wird, lasse sich derzeit schwer voraussagen, sagte der Lufthansa-Sprecher.

Metall-Arbeitgeber greifen Nahles wegen Teilzeit-Plänen an

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit als Etikettenschwindel zu Lasten der Arbeitgeber kritisiert. «Die Details des konkreten Entwurfs bedeuten etwas anderes als das, was vorne auf dem Etikett steht», sagte der für Sozialpolitik zuständige Geschäftsführer Karsten Tacke der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Am Vortag war ein Entwurf von Nahles bekannt geworden, nach dem Arbeitnehmer in Deutschland das Recht auf zeitlich befristete Teilzeit bekommen sollen.
Metall-Arbeitgeber greifen Nahles wegen Teilzeit-Plänen an

«Die Fachleute des Ministeriums haben die befristete Teilzeit durch einen faktischen Anspruch auf vorzeitige Rückkehr in Vollzeit ausgehebelt», bemängelte Tacke. «Dem Arbeitgeber wird einseitig die volle Beweislast auferlegt, dass der Wunsch des Arbeitnehmers auf Verlängerung der Arbeitszeit vor Ablauf der vereinbarten Frist im Einzelfall nicht umsetzbar ist.» Nach der bisher bekannten «einengende Rechtsprechung» des Bundesarbeitsgerichts werde daraus im Ergebnis eben doch ein Rückkehranspruch in Vollzeit - und nicht nur die angeblich angestrebte befristete Teilzeit.
«Wie soll ein Arbeitgeber seine Ressourcenplanung gestalten, wenn die Arbeitnehmer in diesem Umfang von Voll- auf Teilzeit und zurück umschalten können?», fragte Tacke. «Der Gesetzentwurf bleibt die Antwort schuldig, mit welchen Mitteln insbesondere mittelständische Arbeitgeber dieses Arbeitszeitroulette ausgleichen sollen, um ihren Betriebsablauf zu sichern.»

Laut Entwurf sollen Beschäftigte die begrenzte Teilzeit mindestens drei Monate vorher beantragen müssen.

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