Apple-Manager brachte Kauf von Time Warner ins Gespräch

Apple hat laut einem Zeitungsbericht Interesse an einer Übernahme des Medienkonzerns Time Warner bekundet. Der Chef der Apple-Plattform iTunes, Eddy Cue, habe einen Deal bei einem Treffen mit dem Strategie-Verantwortlichen des Medienriesen Ende 2015 ins Gespräch gebracht, berichtete die «Financial Times» am Donnerstag unter Berufung auf informierte Personen.
Apple-Manager brachte Kauf von Time Warner ins Gespräch
Die Idee sei nicht über ein vorläufiges Stadium hinausgegangen und Apple-Chef Tim Cook oder Time-Warner-Lenker Jeff Bewkes hätten nicht an den Gesprächen teilgenommen. Das Interesse an einem solchen Deal würde jedoch zeigen, dass Apple schließlich bereit ist, seinen Geldberg von mehr als 200 Milliarden Dollar auch für große Zukäufe einzusetzen, um die Wettbewerbsposition zu verbessern. Zu dem Medienkonzern gehören unter anderem der Nachrichtensender CNN, der Bezahlkanal HBO und das Hollywood-Studio Warner Brothers. Apple braucht Medieninhalte für seine iTunes-Plattform. Der bisher größte Deal von Apple war der Kauf des Kopfhörer-Anbieters Beats Electronics für drei Milliarden Dollar vor zwei Jahren. Jüngst investierte der iPhone-Konzern zudem eine Milliarde Dollar in den chinesischen Fahrdienst Didi. Time Warner war an der Börse zuletzt rund 60 Milliarden Dollar wert.

Gewerkschaften wollen «Schweizer Löhne auf Schweizer Schienen»

Kurz vor der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels haben Gewerkschaften aus Deutschland, Italien und der Schweiz gleiche Löhne für alle in der Schweiz eingesetzten Bahnmitarbeiter nach den dortigen höheren Tarifen gefordert.
Gewerkschaften wollen «Schweizer Löhne auf Schweizer Schienen»
Lohndumping müsse verhindert werden, erklärte am Freitag Giorgio Tuti, der Präsident der Schweizer Bahngewerkschaft SEV. Die Gewerkschaften unterstrichen ihre Forderung nach «Schweizer Lohn auf Schweizer Schienen» mit der symbolischen Blockierung von zwei Lokomotiven in Basel-Muttenz und in Chiasso. Durch den neuen Gotthard-Tunnel verkürze sich die Fahrtzeit so, dass Lokführer die Schweiz ohne Verstoß gegen Pausenvorschriften durchqueren könnten, sagte Tuti. Die Gewerkschaften befürchten, dass im Alpentransit künftig vor allem Lokführer aus Italien oder Deutschland eingesetzt und nach den billigeren Tarifen ihrer Länder entlohnt werden. Es gelte, eine Situation wie bei Lkw-Fahrern zu verhindern, die in Billiglohnländern angestellt werden und durch ganz Europa fahren. Bahnmitarbeiter müssten generell jeweils den Lohn des Landes erhalten, in dem der Einsatz erfolge - sofern er nicht niedriger als im Herkunftsland sei, forderte der Chef der deutschen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner. Der neue Gotthard-Tunnel soll am 1. Juni eingeweiht werden.

Onlinewerbung treibt die Branche an

Internet und mobile Plattformen werden für die Werbewirtschaft immer wichtiger. Im vergangenen Jahr legten die Erlöse mit Internet-Spots, Bannern und anderen digitalen Anzeigenformen um sechs Prozent auf 1,42 Milliarden Euro zu.
Onlinewerbung treibt die Branche an
Das teilte der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in Berlin mit. Größter Werbeträger bleibt das Fernsehen. Die Sender nahmen 4,42 Milliarden Euro mit Werbung ein, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt erhielten Medien 15,21 Milliarden Euro aus der Werbung. Das ist ein leichter Rückgang (minus 0,8 Prozent) gegenüber 2014. Die gesamte Werbebranche erwirtschaftete im vergangenen Jahr 44,8 Milliarden Euro. Das war ein Prozent mehr als 2014.

Dropbox eröffnet erste deutsche Niederlassung in Hamburg

Der Online-Speicherdienst Dropbox verstärkt sein Engagement in Europa und eröffnet eine erste deutsche Niederlassung in Hamburg. Die Mitarbeiter dort werden künftig für die rund 30 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig sein, wie Oliver Blüher, Deutschlandchef des kalifornischen Unternehmens, der dpa sagte. Zu den Nutzern zählten in der Region derzeit rund 4000 zahlende Unternehmen.
Dropbox eröffnet erste deutsche Niederlassung in Hamburg
Weltweit hat der Cloud-Anbieter nach Angaben von Blüher etwa 500 Millionen Nutzer, 40 Prozent kämen aus der Region Europa zusammen mit dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Nicht zuletzt um auch die zahlenden Unternehmen zu überzeugen, bereitet Dropbox für die Kunden eine Datenspeicherung auf deutschem Boden vor. In Frankfurt am Main sollen vom dritten Quartal an die Daten europäischer Unternehmenskunden in einem von Amazon betriebenen Rechenzentrum lokal vorgehalten werden. Ob künftig auch die Daten von Privatnutzern dort gespeichert werden, ist noch nicht entschieden, werde aber derzeit geprüft, hieß es. Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit gebe es unter den Nutzern eine sehr starke Nachfrage nach lokaler Speicherung, sagte Dropbox-Managerin Adrienne Gormley. Auch andere Cloud-Anbieter sind nach den NSA-Enthüllungen verstärkt dazu übergegangen, Daten in Europa und unter anderem Deutschland zu speichern. Für die Sicherheit der Daten arbeitet Dropbox zudem mit dem Ausburger Anbieter Boxcryptor zusammen. Mit der Anwendung können Nutzer ihre Daten verschlüsseln, bevor sie sie in die Cloud geben. In den vergangenen zwei Jahren habe sich der Kundenstamm in Deutschland verdreifacht. Zu den Kunden zählten unter anderem die TUI Group oder Expedia sowie das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik. Hamburg ist für Dropbox nach London, Paris und Amsterdam die vierte Länder-Niederlassung in Europa. In der Hansestadt werden sich die Mitarbeiter um Kunden, Vertrieb und Partnerschaften kümmern.

Das moderne Büro als Kibbuz

Junge Start-ups brauchen eine offene, kreative Umgebung, um wachsen zu können - in Berlin und Hamburg genauso wie in Tel Aviv. Was müssen moderne Büroräume bieten, um ihnen beim Aufbau von Netzwerken zu helfen?
Das moderne Büro als Kibbuz
Ganz vertieft in ihre Arbeit sitzt eine junge Frau mit Kopfhörern an ihrem Laptop an einem langen Holztisch. Sie hat einen einzelnen Arbeitsplatz in dem schicken Coworking-Büro Mindspace im Zentrum von Tel Aviv gemietet. Das israelische Unternehmen hat mit seinem Konzept sichtbar Erfolg - insgesamt drei Stockwerke in zwei Gebäuden am zentralen Rothschild-Boulevard sind voll ausgebucht, und die Warteliste ist lang. Jetzt hat Mindspace auch den Schritt nach Deutschland gewagt - und bietet riesige Büroräume in Berlin (5000 Quadratmeter) und Hamburg (4000 Quadratmeter) an. «Deutschland ist für uns die Eintrittspforte nach Europa», sagt Mitbegründer Yotam Alroy selbstbewusst. Rund 20 Mitarbeiter hat Mindspace bisher in Deutschland. «Wir haben in Berlin angefangen, weil es wegen der vielen Start-ups ein ideales Umfeld für uns ist», sagt Alroy, der Mindspace gemeinsam mit Dan Zakai gegründet hat. «Es gibt viel Nachfrage nach offenen Räumen.» In der «Start-up-Nation» Israel sprießen Coworking-Büros aus dem Boden wie Pilze. Viele davon wirken wie eine Mischung aus Café, Bücherei und hochmodernem Büro. Mindspace strahlt mit seinem verspielten Design gleichzeitig Eleganz und Gemütlichkeit aus. Vor allem in der Küstenmetropole Tel Aviv hat das Unternehmen- aber auch sehr viele Konkurrenten, der Größte darunter: WeWork. Es ist ein internationales Unternehmen, einer der Mitbegründer ist der Israeli Adam Neumann. Er hat sich von der Idee der israelischen Gemeinschaftskommune Kibbuz inspirieren lassen - immerhin ist er selbst in einem aufgewachsen. Das Konzept stammt zwar ursprünglich aus dem Sozialismus, erweist sich aber in der modernen Arbeitswelt als durchaus lukrativ - nach Schätzungen des Magazins «Forbes» ist Neumann umgerechnet 1,3 Milliarden Euro schwer. Weltweit hat WeWork bereits mehr als 50 000 Mitglieder an mehr als 90 Orten in rund 30 Städten in 12 Ländern. Das Konzept der Coworking-Büros ist in vielen Unternehmen ähnlich: Die Mieter sind «Mitglieder» und erhalten Dienstleistungen, die weit über ein normales Mietverhältnis hinausgehen. Die Hauptidee ist es, den Nutzern beim Knüpfen neuer beruflicher Netzwerke zu helfen. «In einem herkömmlichen Büro kennt man meistens nur die Leute, mit denen man in einer Abteilung arbeitet», sagt Alroy. Bei Mindspace Tel Aviv beginnt jeden Donnerstagnachmittag eine «Happy Hour» - dabei werden viele neue Geschäfte vereinbart. Sogar Massagen und Dating-Services sind inklusive. Die Mieter treffen in den offenen Büroräumen nicht nur auf Mitglieder ihrer eigenen Berufssparte. «Wir haben ausländische Firmen, Rechtsanwälte, Grafikdesigner - nicht nur Start-up-Gründer», sagt Alroi. Ideal sei das Konzept für «kleine Firmen, die sich im Wachstum befinden». Bei Mindspace kann ein Mitglied sein Büro von Monat zu Monat vergrößern oder verkleinern. «Das ist gut, wenn ein Start-up noch nicht genau weiß, wo der Weg hingeht.» Ein Arbeitsplatz kostet 400 bis 500 Euro - die Mieter können zwischen kleinen Büros hinter Glaswänden und offenem Büroraum wählen. Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft sieht im Bereich Coworking Spaces in Deutschland «sehr starke Wachstumsraten». Diese Art von Büroraum diene vor allem der «Flexibilisierung von Arbeit», sagt der Leiter des Competence Centers Workspace Innovation. «Man kann hier Netzwerke besser knüpfen als nur über soziale Medien.» Es sei inzwischen sogar üblich, dass große, etablierte Unternehmen kleine Teams in externe Coworking Spaces schicken, um eingefahrene Arbeitsformen «aufzumischen». «Man trifft auf ganze andere Leute, das ist sehr inspirierend», erklärt Rief. Alroy von Mindspace meint, eigentlich passe das Konzept kulturell sowieso besser nach Deutschland als nach Israel: «In Europa sind alle viel leiser - da stört man sich auch in einem Großraumbüro kaum.»

Hoffnungen auf eine milliardenschwere Investitionsoffensive

Einst Boomland, heute Krisenland. Aber nach dem Regierungswechsel gibt es plötzlich Hoffnung, dass Brasilien in Zeiten einer schwächelnden Weltwirtschaft wieder attraktiver werden könnte.
Hoffnungen auf eine milliardenschwere Investitionsoffensive
Die geplanten Privatisierungs- und Reformmaßnahmen der neuen brasilianischen Regierung schüren bei deutschen Unternehmen Hoffnungen auf eine milliardenschwere Investitionsoffensive. «An einem raschen Ausbau und einer Modernisierung der Infrastruktur führt kein Weg vorbei, wenn Brasilien im globalisierten Wettbewerb bestehen will», sagte der Vorsitzende des Lateinamerikaausschusses der Deutschen Wirtschaft, Andreas Renschler, der Deutschen Presse-Agentur in Rio de Janeiro. Beim Ausbau von Flug- oder Seehäfen, Bahnverkehr und in Bereichen wie Gesundheit und Energie gebe es großes Potenzial. Im fünftgrößten Land und der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt sind bereits über 1400 deutsche Unternehmen aktiv, aber Autobauer wie Volkswagen litten zuletzt unter dem massiven Konsumeinbruch, die Wirtschaftsleistung ging 2015 in Brasilien um 3,8 Prozent zurück. Nach der Suspendierung der linksorientierten Staatspräsidentin Dilma Rousseff will Interimspräsident Michel Temer Schlüsselindustrien auf Reformkurs bringen. Das größte Unternehmen, der Ölkonzern Petrobras, bekam nach dem größten Verlust seiner Geschichte (minus 8,8 Mrd Euro/2015) mit dem Finanzexperten Pedro Parente einen neuen Chef. Hoffnungsträger der Regierung ist Finanzminister Henrique Meirelles, der ausgerechnet unter dem Begründer des Linksprojekts, Luiz Inácio Lula da Silva, als Zentralbankchef für solide Finanzen sorgte. Er kündigte bereits an, dass das Renteneintrittsalter hochgesetzt werden könnte, um das hohe Defizit in den Griff zu bekommen. Die Brasilianer können oft schon mit rund 55 Jahren bei vollen Rentenbezügen in den Ruhestand gehen. Das Defizit des Staates kann sich dieses Jahr auf bis zu 170,5 Milliarden Reais (42,6 Mrd Euro) belaufen. Auch durch größere Privatisierungen soll frisches Geld in die Kasse kommen. Investoren glauben, dass die tiefe Krise eine Chance sein kann, auch weil brasilianische Unternehmen wie Petrobras aus Spargründen zum Abstoßen von Beteiligungen gezwungen sein könnten. Es könnte mehr auf ausländisches Know-How und Investitionen gesetzt und die Bürokratie gemindert werden. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat Interesse an Flughafenbeteiligungen bekundet, bisher hält das Unternehmen in Südamerika nur 70 Prozent am Flughafen in Lima. Auch der Kreditversicherer Euler Hermes sieht einen Silberstreif. «Die Übergangsregierung könnte auf eine Schocktherapie setzen und dringend benötigte Reformen schnell auf den Weg bringen», analysiert Euler Hermes. Das sei notwendig, weil das Land 2016 den weltweit größten Zuwachs an Insolvenzen haben werde - mit geschätzt 22 Prozent mehr Pleiten als im Vorjahr. Damit liege Brasilien sogar noch vor China, das mit 20 Prozent ebenfalls einen Negativrekord verzeichne. Natürlich sei die bisher starke Abhängigkeit vom Rohstoffexport ein Problem - zudem ist das Land in hohem Maße vom Binnenkonsum abhängig, der eingebrochen ist. Wichtig seien eine Steuerreform und weniger Bürokratie. «Brasilien wird unserer Einschätzung nach langfristig auf jeden Fall zurückkehren als attraktiver Wachstumsmarkt», so Euler-Chefvolkswirt Ludovic Subran. Aus deutschen Unternehmenskreisen ist zu hören, dass man auch auf eine Neuauflage von Planungen etwa für einen Schnellzug zwischen den 400 Kilometer voneinander entfernt liegenden Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo setzt. Fast der gesamte Güterverkehr wird bisher noch über die Straße abgewickelt.

IG Metall will für VW-Haustarif endlich Arbeitgeber-Angebot sehen

In den zuletzt stockenden Verhandlungen für die 120 000 Haustarifbeschäftigten bei Volkswagen dringt die Gewerkschaft auf ein Angebot der Arbeitgeberseite. «Die IG Metall fordert Volkswagen auf, endlich in einen konstruktiven Verhandlungsprozess einzusteigen und in Richtung Ziel zu verhandeln», sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine heute (19. Mai) zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde in Hannover. Die Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Geld und eine neue Altersteilzeitregelung.
IG Metall will für VW-Haustarif endlich Arbeitgeber-Angebot sehen
In den beiden Runden zuvor hatte VW kein Angebot gemacht, aber Verhandlungsbereitschaft für die auslaufende Altersteilzeit erklärt. In Konzernkreisen hieß es, dass die dritte Runde am Donnerstag die Weichen stelle entweder in Richtung Abschluss oder Konfrontation. Warnstreiks sind im VW-Haustarif nur noch bis Ende Mai verboten. Im Flächentarif der Metall- und Elektrobranche steht schon ein Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen, der derzeit in den jeweiligen Tarifgebieten übernommen wird. Er regelt bei insgesamt 21 Monaten Laufzeit eine Einmalzahlung von 150 Euro und in zwei Schritten mehr Geld: 2,8 Prozent ab Juli 2016 und weitere 2 Prozent ab April 2017. Der VW-Haustarif ist Deutschlands größter Firmentarif. Er gilt in den sechs westdeutschen VW-Werken Emden, Hannover, Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie bei der Finanztochter aus Braunschweig.

Tarifverhandlungen für Bauarbeiter wieder aufgenommen

Die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt und die Arbeitgeber haben die Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe fortgesetzt. Sie trafen sich gestern in Wiesbaden zur vierten Verhandlungsrunde, wobei beide Seiten ihren Einigungswillen betonten. Es geht um die Löhne und Arbeitsbedingungen von rund 785 000 Beschäftigten in der seit einiger Zeit wieder florierenden Branche.
Tarifverhandlungen für Bauarbeiter wieder aufgenommen
Die Gewerkschaft verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eine Einkommenssteigerung von 5,9 Prozent und begründet dies unter anderem mit der sehr guten Baukonjunktur. Die Gewerkschaft fordert auch höhere Ausbildungsentgelte und will die Tage Heiligabend und Silvester arbeitsfrei stellen. Die Arbeitgeber haben ein Angebot über die doppelte Laufzeit abgegeben. Danach sollen die Löhne im Westen in zwei Stufen um 1,3 und dann 1,8 Prozent steigen, im Osten um 2,0 und 2,5 Prozent. Zudem sei man bereit, feste Vereinbarungen zur Unterbringung und Verpflegung der Arbeiter bei auswärtigen Einsätzen zu treffen.

Geheimnis ums Gehalt

Sehr geehrter Arbeitgeber, was verdienen eigentlich meine Kollegen? Geht es nach Manuela Schwesig, müssen alle Chefs die Frage künftig beantworten. Der Union geht das zu weit.
Geheimnis ums Gehalt
Der Streit um mehr Lohngleichheit ist der letzte große sozialpolitische Konflikt auf der Agenda der schwarz-roten Koalition. Die CDU pocht auf die Abschwächung eines Entwurfs von Manuela Schwesig. Die SPD-Frauenministerin wirft der Union vor, Millionen Frauen von Lohngerechtigkeit ausschließen zu wollen. Ein Überblick: Wie groß ist die Lohnlücke? Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach jüngsten Zahlen 2014 um 22 Prozent niedriger als der der Männer. Besonders groß ist die Lücke etwa bei Banken und Versicherungen (29 Prozent), unterdurchschnittlich im Gastgewerbe (13 Prozent). Nur in Estland (28 Prozent) und Österreich (23 Prozent) liegt der Verdienstunterschied im EU-Vergleich höher. Wo liegen die Hauptursachen? Frauen nehmen immer noch öfter längere Auszeiten für die Familie. Das schadet Karriere und Gehalt. Und es gibt nach wie vor Berufe, die eher typisch für Frauen sind - und oft schlechter bezahlt. So werden Frauen immer noch öfter Erzieherin oder studieren Lehramt, Männer werden Elektroinstallateur oder studieren Maschinenbau. Mehrere Studien legen sogar nahe, dass das Lohnniveau in einer Branche sinkt, je stärker sich der Frauenanteil erhöht. Wie stellt sich die Lohnlücke regional dar? Ein aktueller Vergleich des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass diese Lücke vor allem ein westdeutsches Phänomen ist. Am größten ist der Vorsprung der Männer in den Hochlohnberufen im Westen. In den mittleren Gehaltsklassen im Osten verdienen Frauen im Mittel sogar etwas mehr als Männer. Ist die Lohnlücke für die Union kein Problem? Doch. «Wir wollen, dass unsere Töchter und Söhne für die gleiche Arbeit auch das gleiche Einkommen bekommen», sagt etwa der CDU-Familienpolitiker Marcus Weinberg. Für ihn wiegt allerdings ein Wert schwerer, bei dem Statistiker etwa Unterschiede bei der Arbeitszeit, der Berufswahl und der Dauer der Betriebszugehörigkeit herausgerechnet haben: Dann bliebt eine Lohnlücke von rund 7 Prozent. Wie will die Koalition mehr Lohngleichheit erreichen? Das Thema Gehalt soll per Gesetz aus der Tabuzone geholt werden. Größere Unternehmen sollen verpflichtet werden, Verfahren zur Herstellung der Entgeltgleichheit einzuführen und darüber zu berichten. Und es soll einen Auskunftsanspruch geben - so dass Frauen erfahren, was Kollegen, die das Gleiche machen, im Schnitt verdienen. Wie soll die Auskunftspflicht konkret ausgestaltet werden? Der Arbeitgeber soll nach Schwesigs bisherigem Gesetzentwurf der fragenden Beschäftigten die Kriterien für ihr Gehalt sagen. Und sie soll auf Nachfrage erfahren, wie das mittlere Gehalt bei einer Vergleichsgruppe von mindestens fünf Beschäftigten mit gleichwertiger Tätigkeit in dem Betrieb ist. Was ist der Hauptstreitpunkt zwischen SPD und Union? Die Frage, welche Unternehmen künftig auskunftspflichtig sein sollen. Die Union will, dass das nur für Unternehmen ab 500 Beschäftigten gilt. Schwesigs Entwurf sieht vor, die Auskunftspflicht für alle Betriebe einzuführen. Deshalb sagt sie, nötig sei ein Lohngerechtigkeitsgesetz, «das für alle 31 Millionen Beschäftigte gilt und nicht nur - wie von der Union gewollt - für sechs Millionen Beschäftigte». Der Koalitionsvertrag ist hier nicht ganz klar. Da steht bei dem anderen zentralen Punkt, den Berichten der Firmen zur Entgeltgleichheit, dass dies ab 500 Beschäftigten gelten soll - der Auskunftsanspruch solle «darauf aufbauend» kommen. Was ist noch strittig? Ob die Firmenberichte zur Lohngleichheit im Internet veröffentlicht werden sollen - Schwesig sieht das vor, die Union ist skeptisch. Strittig ist auch, ob auch für die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes die geplante Auskunftspflicht eingeführt werden soll. Schwesig und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sollen den Streit nun lösen.

VW zahlt Mitarbeiter-Prämie noch im Mai

Das Geld fließt noch im Mai: Die Tarifbeschäftigten bei Volkswagen bekommen schon bald ihre Erfolgsbeteiligung ausgezahlt. Ihr Betriebsratschef warnt aber davor, sich auf dem Erfolg auszuruhen. Die nächsten Monate würden noch einmal hart.
VW zahlt Mitarbeiter-Prämie noch im Mai
Die 120 000 VW-Mitarbeiter im Haustarif erhalten noch in diesem Monat ihre ausgehandelte Erfolgsbeteiligung. «Die Auszahlung erfolgt mit dem Entgelt im Mai», schrieb VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Pfingstmontag in einem Brief an die Belegschaft, der über eine Internetseite der IG Metall abrufbar war. Osterloh, VW-Konzernchef Matthias Müller und Personalvorstand Karlheinz Blessing hatten sich am 13. Mai darauf geeinigt, dass trotz der Diesel-Krise 3950 Euro Mitarbeiter-Prämie für 2015 fließen. Damit diese Erfolgsbeteiligung trotz der Milliardenverluste im Skandal-Jahr möglich wird, müssen Verträge geändert werden. Bisher hatte die Tarifbelegschaft Anspruch auf jeden zehnten Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern bei der Pkw-Kernmarke. Ohne Gewinn gab es aber nichts zu verteilen. «Künftig wird die Bemessungsgrundlage für die Erfolgsbeteiligung zweijährig sein. Hierfür werden wir den Tarifvertrag der IG Metall anpassen», erklärt Osterloh in dem Brief. Wie üblich floss von der Prämie im November bereits ein Abschlag von 1545 Euro brutto. Damit ergibt sich nun ein Restbetrag von 2405 Euro. Er fließt an die Tarifbeschäftigten der Werke Wolfsburg, Hannover, Emden, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie der Finanztochter. Osterloh betonte, wie wichtig die Präsenz von gut 60 000 Mitarbeitern bei Informationsveranstaltungen am vergangenen Mittwoch (11. Mai) gewesen sei. Allein in Wolfsburg zogen 35 000 Menschen vor das Vorstandshochhaus. «Das hat den Durchbruch bei den Verhandlungen beschleunigt.» Osterloh warnte aber auch davor, sich auf Erreichtem auszuruhen. «Der Diesel-Skandal belastet uns nach wie vor. Gleichzeitig werden wir jetzt die ersten Schritte hin zu einem Zukunftspakt machen.» Mit diesem Pakt will der Betriebsrat in den nächsten Monaten Zusagen für die Zukunft der Werke, deren Schwerpunkte und künftige Jobprofile vertraglich regeln. Vorausgegangen war der Plan der Arbeitgeber, mehr als 3000 Bürojobs in der Verwaltung abzubauen. Osterloh fürchtete «Rasenmäher-Methoden» und rief an den Verhandlungstisch. In dem aktuellen Brief betont er: «Der Weg hin zur Elektromobilität und Digitalisierung wird unsere Werke und die Arbeit an unseren Standorten verändern. Wir wollen diesen Weg der Veränderungen im Zukunftspakt beschreiben. Dabei müssen wir heute unsere Ertragskraft stärken, um die Investitionen in die Welt von morgen stemmen zu können.» Folgende Ziele seien zentral: «die Produktivität weiter steigern, die Synergien im Konzern konsequent heben, die Komplexität unserer Produkte reduzieren, das Kundenvertrauen wieder stärken». Nächsten Donnerstag treffen sich die IG Metall und VW zur dritten Runde der laufenden Haustarifverhandlung. Dabei geht es neben mehr Geld auch um eine neue Altersteilzeitregelung. Osterloh meinte dazu: «Durch natürliche Fluktuation und mit einer vernünftig ausgestalteten Altersteilzeitregelung ist es möglich, verdiente Kolleginnen und Kollegen von Bord gehen zu lassen und jungen Experten künftig eine langfristige Perspektive bei Volkswagen zu geben.»

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