Autozulieferer Leoni streicht 1100 Stellen in Bordnetz-Sparte

Der Autozulieferer Leoni reagiert auf die Probleme in seiner Bordnetz-Sparte und streicht dort noch in diesem Jahr 1100 Jobs. Der Stellenabbau sei Teil einer Neuaufstellung des Geschäftsbereichs, teilte das Unternehmen heute (30. Juni) in Nürnberg mit. In Deutschland fallen demnach rund 70 Arbeitsplätze weg.
Autozulieferer Leoni streicht 1100 Stellen in Bordnetz-Sparte

Der Kabelspezialist hatte bereits im März einen Stellenabbau angekündigt, zu dem Zeitpunkt aber noch keine Details genannt.
Im laufenden Jahr profitiere Leoni beim Ergebnis kaum davon, und es komme zu hohen Einmalbelastungen, hieß es in der Mitteilung. Ab 2017 solle durch den Umbau die Rendite dauerhaft gesteigert werden. Daraus ergebe sich künftig ein Plus von etwa 30 Millionen Euro im Jahr, bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

VW-Leiharbeiter und befristet Beschäftigte in Zwickau müssen gehen

Volkswagen trennt sich im Werk Zwickau von rund 700 Leiharbeitern und Beschäftigten mit befristeten Verträgen. Damit setze der Konzern zum 30. Juni seine angekündigten Streichungen um, sagte Betriebsrat Jens Rothe heute (30. Juni). Zuvor hatte MDR Sachsen darüber berichtet. «Kein schöner Tag für Zwickau», meinte Rothe.
VW-Leiharbeiter und befristet Beschäftigte in Zwickau müssen gehen

Neben der Diesel-Affäre habe VW in Sachsen vor allem das Ende der Phaeton-Produktion in der Gläsernen Manufaktur in Dresden getroffen. «Als erstes mussten wir unsere Kollegen in Dresden auffangen», sagte Rothe. Rund 400 Mitarbeiter konnten demnach in Zwickau und Chemnitz weiterbeschäftigt werden. Bereits im Dezember 2015 waren die Stellenstreichungen verkündet worden.

Digitalisierung bringt mehr Jobs

Jedes zweite Unternehmen rechnet laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Zuge der Digitalisierung mit mehr Jobs für gut ausgebildete Beschäftigte in den kommenden zehn Jahren. Sechs von zehn Unternehmen gaben jedoch an, dass sie ihre eigenen Mitarbeiter in Digitalkompetenzen nicht weiterbildeten.
Digitalisierung bringt mehr Jobs

Nicht einmal jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) hat dafür eine zentrale Strategie, nur 27 Prozent räumen der Weiterbildung der Mitarbeiter überhaupt ein festes Budget ein. Allerdings halten 97 Prozent der Befragten Weiterbildung für qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen für wichtig. Die Kompetenzen von Bewerbern und Mitarbeitern werden aktuell nur mit den Noten «befriedigend» und «ausreichend» bewertet.
«Neue, aufregende und anspruchsvolle Jobs entstehen», sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. «Sie setzen eine gute Ausbildung voraus und bieten dafür viel Gestaltungsspielraum und Verantwortung.» Die Nachfrage nach Beschäftigten mit geringer Qualifikation werde dagegen zurückgehen. Angesichts der historischen Veränderungen in der Berufswelt sind nach Ansicht des Bitkom sowohl jeder einzelne Mitarbeiter, die Unternehmen als auch die Politik gefordert. Unternehmen müssten eine zentrale Strategie für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter erarbeiten und dafür auch die entsprechenden Mittel bereitstellen, forderte der Verband.

Mindestlohn von zehn Euro frühestens 2023

Der gesetzliche Mindestlohn steigt nach Einschätzung der Arbeitgeber frühestens 2023 auf zehn Euro. «Die unverantwortliche Forderung, den Mindestlohn möglichst bald auf zehn Euro anzuheben, ist pure Illusion und jenseits der rechtlich verbindlichen Regeln», sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Reinhard Göhner, heute in Berlin.
Mindestlohn von zehn Euro frühestens 2023

«Da die Mindestlohnkommission nach dem Gesetz sich nachlaufend an der Tarifentwicklung orientiert, würde selbst bei einer überdurchschnittlichen Tariflohnentwicklung ein Mindestlohn von zehn Euro in keinem Fall vor dem 31.12.2022 erreicht.» Unter anderem die Gewerkschaft Verdi hatte gefordert, die Lohnuntergrenze in schnellen Schritten auf zehn Euro anzuheben.

Im kommenden Jahr wird der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 auf 8,84 Euro je Stunde angehoben, wie die Kommission gestern entschieden hatte. Für die folgende Anpassung zum 1. Januar 2019 werde dann der Betrag von 8,77 Euro zugrundegelegt, bekräftigte Göhner. Das hatte die Kommission in ihrem Beschluss festgelegt. Der jüngste Abschluss für den öffentlichen Dienst wirkt sich 2019 nicht erneut erhöhend auf den Mindestlohn aus.

Flüchtlinge als Ausweg aus der Nachwuchskrise?

Viele Firmen wollen ausbilden, suchen händeringend geeignete Bewerber, finden sie aber nicht in ausreichendem Maß. Die Wirtschaft stellt die Lage als dramatisch dar - und sucht nach Lösungen.
Flüchtlinge als Ausweg aus der Nachwuchskrise?

Fachkräftemangel ist die Zukunftssorge Nummer eins bei Deutschlands Unternehmen - weit vor Ängsten um die Konjunktur, vor dem Brexit oder einem US-Präsidenten Donald Trump. Das sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer bei der Präsentation einer neuen Umfrage in Berlin. Deswegen wiegen Probleme um so schwerer, die Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Aus Sicht der Wirtschaft spitzt sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt immer weiter zu - eine Übersicht:

Wie stellt sich die Situation für die Azubis dar?

Laut der Wirtschaft so gut wie nie. Sie würden umworben, könnten vielfach auswählen, unterschrieben oft mehrere Verträge, um sich erst dann zu entscheiden - und verdienten später oft mehr als Akademiker. So sei einem Mechatroniker ein gutes Gehalt sicher, nicht aber Architekten oder Anwälten, heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Trotzdem liegt die Zahl der Studienanfänger seit 2013 etwas höher als die der jungen Leute, die in eine duale Ausbildung starten, gerundet jeweils mehr als eine halbe Million.

Wie viele Unternehmen bilden aus - wie groß sind ihre Probleme?

Rund 190 000 aktive Ausbildungsbetriebe gab es im IHK-Bereich im vergangenen Jahr. Doch 31 Prozent konnten laut DIHK-Umfrage nicht alle Plätze besetzen. Im Westen waren es 28, im Osten 45 Prozent. Während der Anteil der Betriebe mit Lücken im Gastgewerbe mit 61 Prozent fast stabil blieb, sank er etwa im Baugewerbe um 7 Punkte auf 30 Prozent. Die Baubranche selbst führt dies auf hohe Ausbildungsvergütungen zurück - und auf Imagekampagnen. 14 000 Unternehmen bekamen gar keine Bewerbungen.

Wie viele finden keinen Platz - wie viele Plätze bleiben unbesetzt?

Mit rund 41 000 unbesetzten Lehrstellen wurde laut Bundesagentur für Arbeit vergangenes Jahr der höchste Stand seit 1996 verzeichnet. Die Zahl unversorgter Bewerber ging leicht auf rund 20 700 zurück.

Warum besetzen Firmen Zehntausende Plätze nicht?

Viele junge Leute wollen lieber studieren - und das bei sinkenden Schulabgängerzahlen. Vor zehn Jahren war ein Abschlussjahrgang noch um 120 000 Schüler größer. 54 Prozent der Unternehmen beklagen auch zu wenig Ausdrucksvermögen, rund 45 Prozent mangelnde Rechenfertigkeiten der Azubis. An Disziplin, Belastbarkeit und Leistungsvermögen mangelt es laut DIHK-Umfrage auch rund jedem Zweiten. Viele Firmen stellten lernschwächere Jugendliche ein.

Können junge Flüchtlinge den Mangel ausgleichen?

Bisher nicht. Nur rund drei Prozent der Betriebe geben an, Flüchtlinge auszubilden. Der DIHK geht von rund 10 000 Flüchtlingen aus, die derzeit in Ausbildung sind. Rund 90 Prozent der Betriebe sagen: Das A und O sei das Beherrschen der Sprache.

Sind Flüchtlinge für die Wirtschaft in Zukunft als Azubis wichtig?

Der DIHK sagt: Zumindest in wachsendem Maß - wenn die Koalition den Plan rasch umsetzt, dass sie nach drei Jahren Ausbildung weitere zwei Jahre nicht abgeschoben werden. Die Erfahrung zeigt: Vor einer Ausbildung stehen in der Regel der Wechsel von der Erstunterkunft in andere Wohnungen, das Deutschlernen, weitere Qualifizierungen - im Schnitt 22 Monate sind Betroffene vor Ausbildungsstart in Deutschland. Im kommenden Jahr, so erwartet man in der Wirtschaft, stünden schon viel mehr junge Flüchtlinge als Azubi bereit.

Was ist aus Sicht der Wirtschaft noch nötig?

Viele Unternehmen und Branchen täten schon eine Menge, um Ausbildung attraktiver zu machen und dafür zu werben, so der DIHK. Um den wachsenden Lücken bei den Fachkräften zu begegnen, sollten nun auch Schulen weit stärker über Berufe und Ausbildung informieren. Das Bildungssystem und die Schulausbildung müssten gestärkt werden. Mehr Frauen und Ältere müssten in Beschäftigung gebracht werden. Und auch Einwanderung jenseits der Flüchtlinge sieht man als wichtig an.

Machen die Unternehmen alles richtig?

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) bei weitem nicht. Die Probleme konzentrierten sich auf die Hotel- und Gastronomiebranche und das Lebensmittelhandwerk. Die jungen Menschen dort beklagten seit Jahren eine schlechte fachliche Ausbildung, einen rüden Umgangston und Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz, sagt DGB-Vize Elke Hannack. «Es ist kein Wunder, wenn die Jugendlichen einen großen Bogen um diese Betriebe machen.»

Mindestlohn-Erhöhung kein Risiko für den Arbeitsmarkt

Schon die Einführung des Mindestlohns hatte für hitzige Diskussionen gesorgt. Kaum weniger groß sind nun in Teilen der Wirtschaft die Widerstände gegen eine Erhöhung der Lohnuntergrenze. Arbeitsmarktforscher raten hingegen zur Gelassenheit.
Mindestlohn-Erhöhung kein Risiko für den Arbeitsmarkt

Die geplante Erhöhung des Mindestlohns um voraussichtlich drei Prozent stellt nach Experten-Einschätzung kein Risiko für den Arbeitsmarkt dar. «Der deutsche Arbeitsmarkt ist in einer soliden Verfassung. In sehe daher nicht, dass die geplante moderate Anpassung des Mindestlohns zu steigender Arbeitslosigkeit führt», sagte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, der Deutschen Presse-Agentur. Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Die Mindestlohn-Kommission muss laut Gesetz bis zum 30. Juni über eine Anpassung der Lohnuntergrenze entschieden haben. Dem Fahrplan zufolge soll die Entscheidung am kommenden Dienstag (28. Juni) fallen.

Den von einigen Wirtschaftsverbänden geforderten Verzicht auf eine Mindestlohn-Erhöhung hält Möller für «nicht angebracht». Die aktuelle Lohnentwicklung biete durchaus Spielraum für eine Anhebung der bisher bei 8,50 Euro liegenden Lohnuntergrenze. Zum anderen gebe es klare gesetzliche Vorgaben für eine Mindestlohn-Erhöhung. Lediglich in Krisenzeiten könne über eine Aussetzung solcher Anpassungen geredet werden. «Das sehe ich im Moment aber nicht», unterstrich Möller.

Auch das Argument, eine moderate Erhöhung des Mindestlohns erschwere die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt, hält der Arbeitsmarktforscher nicht für stichhaltig. «Da gibt es im Moment ganz andere Probleme: die fehlenden Sprachkenntnisse vieler Flüchtlinge, ihre Qualifikation und die Anerkennung ihrer beruflichen Kenntnisse. Verglichen damit ist die Frage, ob der Mindestlohn um 30 Cent steigt, kein wirklich relevantes Thema. Die Flüchtlingsintegration wird daran nicht scheitern», betonte Möller.

Dabei erinnerte er daran, dass sich etwa in Großbritannien und Teilen der USA die geplanten Erhöhungen des Mindestlohns auf einem ganz anderen Niveau bewegen. In Großbritannien beispielsweise erhöhe man den Mindestlohn bis zum Jahr 2020 auf umgerechnet 11,50 Euro.

In den USA werde in Los Angeles im Jahr 2020 ein Mindestlohn von 15 US-Dollar (umgerechnet 13,28 Euro) gezahlt. «Ich denke, dass wir da in Deutschland bei der gesetzlichen Mindestlohn-Regelung mit Augenmaß vorgegangen sind», sagte Möller. Bei Ländervergleichen muss aber oft auch die unterschiedliche Kaufkraft betrachtet werden.

Bei der Diskussion um eine aktuelle Mindestlohn-Anpassung bleibt nach seiner Ansicht lediglich die Frage, ob man die jüngsten, aber erst später wirksam werdenden und relativ hohen Tarifabschlüsse der Metall- und Elektroindustrie und des öffentlichen Dienstes bereits bei der anstehenden Mindestlohn-Entscheidung berücksichtigt.

Dabei müsse man sich klar machen: «Wenn die Tariferhöhungen jetzt nicht einbezogen werden, werden sie sich in der nächsten Anpassungsrunde in zwei Jahren niederschlagen.»

Insgesamt hat sich der Mindestlohn rund eineinhalb Jahre nach seiner Einführung nach Erkenntnissen des Institutschefs als Erfolg erwiesen. Die Regelung habe vielen Menschen zu höheren Einkommen verholfen. Zwar seien einige Minijobs wegfallen, etliche davon aber in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt worden. Vorrangig in Teilen Ostdeutschlands hätten sich einige Arbeitgeber über den Mindestlohn beklagt. «Das sind aber aus unserer Sicht eher Einzelfälle.»

DZ und WGZ treiben Fusion voran

DZ Bank und WGZ Bank wollen den geplanten Stellenabbau noch vor ihrem Zusammenschluss zum neuen genossenschaftlichen Spitzeninstitut am 1. August regeln.
DZ und WGZ treiben Fusion voran

«Wir sind im Moment dabei, Sozialplan und Interessenausgleich zu finalisieren», sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch in einem Interview der Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt. «Wir möchten damit bis Ende Juli fertig sein.» Zum 1. August soll das neue Zentralinstitut an den Start gehen. «Wir wollen den Abbau der 700 Vollzeitstellen kontrolliert und möglichst sozialverträglich gestalten», bekräftigte WGZ-Chef Hans-Bernd Wolberg. Die Streichung von Doppelstrukturen soll binnen drei Jahren abgeschlossen sein.

Teure Arbeit?

In Deutschland sind die Arbeitskosten zu Jahresbeginn weiterhin deutlich gestiegen. Bruttolohn und Nebenkosten für eine Arbeitsstunde lagen im ersten Quartal des Jahres zusammen 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt am 9. Juni in Wiesbaden berichtete. Zum Vorquartal betrug der Zuwachs saison- und kalenderbereinigt 1,7 Prozent.
Teure Arbeit?

Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort. 2015 sind die deutschen Arbeitskosten mit 2,6 Prozent das fünfte Jahr in Folge stärker gestiegen als im Durchschnitt der EU (2,0 Prozent), wie das Statistikamt weiter berichtete. Im Gebiet der Gemeinschaftswährung Euro betrug der Kostenzuwachs nur 1,5 Prozent, in Frankreich waren es 1,1 Prozent.
Die höchsten Wachstumsraten wurden in Ländern mit starkem wirtschaftlichem Nachholbedarf registriert. So kletterten die Kosten in Rumänien um 8,4 Prozent und in Lettland um 7,4 Prozent. In Zypern (-0,9 Prozent) und Italien (-0,2 Prozent) waren die Kosten sogar rückläufig. Grundsätzlich schwächen höhere Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, sind aber auf der anderen Seite auch Ausdruck höherer Produktivität.

Nachwuchsmangel bei der Polizei

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sorgt sich um ausreichend qualifizierten Nachwuchs. «Wir haben nicht nur eine sinkende Zahl an Bewerbern, sondern auch die Qualität der Bewerber nimmt ab», beklagte der BDK-Vorsitzende André Schulz in der «Heilbronner Stimme». Zudem habe man eine hohe Zahl an Abbrechern in der Polizeiausbildung. Schulz kritisierte, dass die Polizei fast ausschließlich Abiturienten nehme, «selbst für den mittleren Dienst».
Nachwuchsmangel bei der Polizei

Der BDK-Vorsitzende schlug vor, verstärkt Haupt- und Realschüler für den Polizeidienst anzuwerben. Gerade im Streifendienst seien oftmals Fähigkeiten verstärkt gefragt, etwa bei der Kommunikation und der Konfliktlösung, «die ein älterer Haupt- oder Realschüler mit einem erlernten Beruf und mehr Lebenserfahrung vielleicht besser meistern würde als so mancher junger Abiturient, dem diese soziale Reife eventuell noch fehlt».
Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) sind die Bewerberzahlen in manchen Ländern «gewaltig» eingebrochen. «Teilweise um etwa 40 Prozent», sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt derselben Zeitung. «Wenn wir den Qualitätsanspruch der Polizei erhalten wollen, müssten wir auf eine Stelle acht Bewerbungen erhalten.» Doch sei diese Quote «nicht mehr zu halten.»
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sieht die Polizei im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern im Nachteil. Zwar gebe es sicherlich genügend für den Polizeidienst qualifizierte Bewerber. Es stelle sich jedoch die Frage, ob die Polizei momentan ein attraktiver Arbeitgeber sei. «Die Polizei kämpft häufig mit veralteter Technik, soll aber auf der anderer Seite fast jeden Tag noch höhere Ansprüche erfüllen», sagte er der «Heilbronner Stimme».

4.0: Angst in Asien um Arbeitsplätze

Mehr Roboter, weniger Arbeiter - in Asien geht die Angst um, dass mit fortschreitender Automatisierung der Standortvorteil mit den billigen Arbeitskräften verloren geht. Deutschlands Standort-Attraktivität wächst dagegen.
4.0: Angst in Asien um Arbeitsplätze

Piff-paff - so beschreibt Lutz Seidenfaden die Arbeit eines herkömmlichen Schlittens, der in der Industriefertigung Teile bewegt, hin-her, hin-her. «Das ist ein Teil mit überschaubarer Intelligenz», sagt der IT-Spezialist der Esslinger Firma Festo in Singapur. Dann zeigt er begeistert, was Komponenten voller künstlicher Intelligenz heute leisten können, etwa Alarm schlagen, bevor eine Maschine ausfällt. Etwa, wenn die Temperatur steigt: «Ich bin Achse x, ich habe Fieber, schaut mich an.»
Seidenfaden illustriert so die neue Welt der Industrie 4.0, in der intelligente Komponenten miteinander kommunizieren, ihre eigene Wartung, Nachschub und Bestellungen organisieren können und vieles mehr. Intelligente Maschinen können auch ganz auf den Einzelkunden zugeschnittene Produkte in kleinen Mengen kostengünstig fertigen. Festo bietet Automatisierungslösungen in aller Welt, und Asien ist ein wichtiger Markt. «Der Asiate hat im Hinblick auf Flexibilität noch höheren Bedarf als der Deutsche», sagt Seidenfaden. «Hier wird weniger geplant, vieles spontaner gemacht.»
Doch die fortschreitende Automatisierung, 4. industrielle Revolution genannt, weckt in Asien Ängste. Was wird aus dem Standortvorteil mit niedrigen Löhnen, wenn immer mehr Maschinen Fertigung übernehmen? «Billige Arbeitskräfte haben Asien einen Standortvorteil verschafft. Aber mit den fallenden Kosten durch Automatisierung muss die Region ihre Talentförderung ausbauen», analysierte das World Economic Forum (WEF) gerade bei einer Konferenz mit 500 regionalen Unternehmern, Politikern und Analysten in Malaysia.
In Vietnam arbeiten 41 Prozent der Beschäftigten als ungelernte Kräfte, auf den Philippinen 33 Prozent. «Wir müssen die Ausbildung umkrempeln», sagt Kathleen Chew, Chefjuristin der YTL Corporation in Malaysia. «Es wird zu viel auswendiggelernt, wir brauchen aber Kommunikatoren und Problemlöser», meinte der indonesische Bildungsminister Anies Baswedan. «Die Revolution kommt extrem schnell - kommt endlich in die Hufe!» beschwor der Chef der norwegischen Telekomfirma Telenor, Sigve Brekke, die Asiaten.
«Ich kam mir hier vor wie in einer Sitzung alter Männer in Europa», sagte der Verwaltungsratschef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), Hans-Paul Bürkner, Jahrgang 1952, am Rande der Konferenz. «Ich war erstaunt, wie stark das Thema Verlust von Arbeitsplätzen durch die 4. industrielle Revolution betont wird.» Dabei hält er Schreckgespenste von der menschenleeren Fabrik für völlig überzogen. Die vielen billigen Arbeitskräfte hinderten aber Firmen in Asien womöglich daran, auf den Automatisierungszug aufzuspringen.
«In jedem Fall ist Industrie 4.0 eine Chance die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu erhöhen», meint Hartmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Maschinenbauverband VDMA. Technologie, Partner und Kunden seien da. «Deutschland gewinnt an Attraktivität, weil man hier am ehesten in der Lage ist, das umzusetzen.» So könne man dadurch Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland gewinnen.
Auch Constanze Kurz von der IG Metall sieht die Chance: «Es gibt wenig empirische Evidenz, aber erste Indizien dafür», sagt die Leiterin des Ressorts Zukunft der Arbeit beim Vorstand der IG Metall.
Dass allerdings Produktion durch Industrie 4.0 zurück nach Europa verlagert werden könnte, bezweifelt Rauen. Der Grund, etwa in China Fabriken zu bauen, sei eher die Nähe zum Kunden gewesen. Ähnlich sieht man das beim Maschinenbauer Trumpf: China habe man nie als verlängerte Werkbank gesehen, sondern dort Maschinen für die lokalen Bedürfnisse gebaut und auch verkauft, so eine Sprecherin.
Gerade in China sei ein großes Interesse an Industrie 4.0 zu sehen. «In China ist das Thema auch bei deutschen Firmen beliebt, weil dort Dinge ausprobiert werden können, die hier undenkbar wären, wie Bio- oder Bewegungsprofile von Mitarbeitern», sagt IG-Metallerin Kurz.

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