Rentenberechtigte Mitarbeiter halten

Jeder dritte Betrieb versucht, rentenberechtigte Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Kürzere und flexiblere Arbeitszeiten anzubieten waren dabei die wichtigsten Maßnahmen, um die Mitarbeiter zu halten. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Rentenberechtigte Mitarbeiter halten
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Im Jahr 2015 erreichten rund 650.000 Mitarbeiter die Rentenberechtigung oder waren bereits rentenberechtigt. In gut 170.000 Fällen wollten die Betriebe rentenberechtigte Mitarbeiter halten. Gelungen ist das bei knapp 145.000 Mitarbeitern. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 83 Prozent. Allerdings haben die Betriebe möglicherweise in Fällen, bei denen sie sich keine Chancen ausrechneten, erst gar nicht versucht, die Mitarbeiter zu halten, merken die Arbeitsmarktforscher zur hohen Erfolgsquote an.
„Danach gefragt, welche Maßnahmen in den erfolgreichen Fällen eingesetzt wurden, gab die überwiegende Mehrheit der Betriebe (60 Prozent) kürzere Arbeitszeiten an, gefolgt von 49 Prozent der Betriebe, die rentenberechtigte Mitarbeiter mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit halten konnten“, schreiben die Arbeitsmarktforscher. Eine Veränderung des Tätigkeitsprofils stellte für insgesamt 17 Prozent der Betriebe ein erfolgreiches Instrument dar, während 13 Prozent der Betriebe mit einer höheren Entlohnung, Prämien oder einer Beförderung rentenberechtigte Mitarbeiter weiter beschäftigen konnten.
Bei einer Betrachtung nach Wirtschaftszweigen zeigt sich, dass im Bereich der Öffentlichen Verwaltung mit 18 Prozent vergleichsweise wenige Betriebe Versuche unternahmen, rentenberechtigte Mitarbeiter zu halten. Die Erfolgsquote fiel hier mit 67 Prozent zudem unterdurchschnittlich aus. Im Wirtschaftszweig „Maschinen, Elektrotechnik, Fahrzeuge“ waren es dagegen 43 Prozent der Betriebe, die rentenberechtigten Mitarbeitern entsprechende Angebote unterbreiteten. Die Erfolgsquote betrug dabei 86 Prozent. „Der Wunsch, Mitarbeiter zu halten, wird maßgeblich durch Fachkräfteengpässe bestimmt, welche insbesondere im verarbeitenden Gewerbe eine Rolle spielen: Liegen Fachkräfteengpässe vor, so steigt die Wahrscheinlichkeit, rentenberechtigte Mitarbeiter halten zu wollen, statistisch hochsignifikant um 21 Prozentpunkte“, erklären die Forscher.
Kleinbetriebe versuchten mit 32 Prozent einen erheblich höheren Anteil an rentenberechtigten Mitarbeitern zu halten als größere Betriebe mit elf Prozent. Auch hier spielen Rekrutierungsprobleme eine Rolle: „Kleinbetriebe haben tendenziell schlechtere Chancen, ausscheidende Mitarbeiter durch Neueinstellungen adäquat zu ersetzen“, so die Arbeitsmarktforscher.
Die aufgrund des Flexirenten-Gesetzes seit diesem Jahr geltenden Regelungen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit werden von den Betrieben überwiegend positiv eingeschätzt. Besonders hoch ist die Zustimmung zum Wegfall der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für altersrentenberechtigte Mitarbeiter und zu den großzügigeren Hinzuverdienstmöglichkeiten im Rahmen einer Teilrente.
Die IAB-Studie beruht auf einer repräsentativen Befragung von rund 13.000 Betrieben.

Stada tritt Sorgen vor Job-Abbau entgegen

Nach dem hauchdünn besiegelten Verkauf an Finanzinvestoren tritt der Arzneimittelhersteller Stada Sorgen vor einem Arbeitsplatzabbau entgegen. «Die Zentrale in Bad Vilbel steht nicht zur Diskussion», sagte Vorstandschef Engelbert Willink gestern, 21. August, in einem Pressegespräch.
Stada tritt Sorgen vor Job-Abbau entgegen
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Zwar gebe es noch keine genauen Personalplanungen unter den neuen Eignern Bain und Cinven. «Es deutet aber nichts darauf hin, dass künftig weniger Arbeit in Deutschland gemacht wird und mehr im Ausland», betonte Willink. Angepeilt sei, Bereiche wie IT und Forschung sowie Verpackung stärker in der Zentrale zu bündeln. «Wir müssen nicht alles dreimal machen.»
Bain und Cinven haben mit Stada Zusagen zum Schutz der Beschäftigten vereinbart, diese betreffen aber nur einen Teil der Arbeitnehmer über fünf Jahre. Die Gewerkschaft IG BCE warnt daher vor einem Job-Abbau.

Ob Willink und Finanzchef Bernhard Düttmann, die nur einen Vertrag bis Jahresende haben, möglicherweise länger im Amt bleiben, wurde nicht näher erläutert. «Ich bin da flexibel», sagte Willink. Klar sei aber, dass er nicht dauerhaft Stada-Chef sein werde - «auch wenn die Arbeit nicht bis Jahresbeginn 2018 erledigt sein wird.»

Der im MDax notierte Pharmakonzern hatte jüngst verkündet, dass der Verkauf an die Finanzinvestoren Bain und Cinven im zweiten Anlauf perfekt ist. Die erforderliche Annahmequote von 63 Prozent der Stimmrechte für ihr Übernahmeangebot wurde aber mit 63,85 Prozent nur knapp geknackt. In einer verlängerten Annahmefrist können Stada-Aktionäre den Investoren noch bis 1. September ihre Anteile anbieten. Bain und Cinven hoffen vor allem darauf, dass Indexfonds, die den MDax abbilden, nun ihre Anteile andienen und ihnen so noch mehr Macht bei Stada bringen. (dpa)

Mehrarbeit rentiert sich für Geringverdiener nicht immer

Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. In unteren Einkommensgruppen kann das Zusammenwirken von Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommenssteuer dazu führen, dass von Lohnzuwächsen nichts im Portemonnaie ankommt. Im schlimmsten Fall kann am Ende sogar weniger übrig bleiben als ohne den Mehrverdienst. Das geht aus einer am 17.08.2017 veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.
Mehrarbeit rentiert sich für Geringverdiener nicht immer

Die Studienautoren hatten für sechs Musterhaushalte - vom Alleinerziehenden mit einem Kind bis zum Doppelverdienerpaar ohne Kinder - untersucht, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn man Beiträge zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern und den möglichen Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag berücksichtigt. Das Ergebnis: Untere Einkommensgruppen werden dadurch deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener.

Von einem hinzuverdienten Euro bleibt nach den Berechnungen der Stiftung bei einem Single-Haushalt mit einem jährlichen Haushaltsbruttoeinkommen von 17 000 Euro nichts übrig. Bei einem Einkommen von 75 000 Euro brutto würden dagegen 56 Cent je Euro in der Haushaltskasse verbleiben. Der Grund: Bei Geringverdienern würde angesichts des Mehrverdienstes im gleichen Ausmaß das Arbeitslosengeld II gekürzt. «In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse», erklärte Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung.

Aber auch bei etwas besser Verdienenden zeigt sich den Berechnungen zufolge ein ähnliches Bild. So bleiben einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40 000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent übrig. Wer dagegen 90 000 Euro brutto verdient, kann 66 Cent behalten.

Die Studienautoren fordern deshalb Änderungen am Gesamtsystem aus Einkommenssteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen. «Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater», erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Mit Reformen müssten die Regelungen so aufeinander abgestimmt werden, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohne. (dpa)

So viele Erwerbstätige wie noch nie - aber weniger Arbeit

Deutschlands Arbeitsmarkt brummt weiter. Im Frühjahr hatten so viele Menschen einen Job wie noch nie zuvor. Gleichzeitig gab es aber weniger zu tun.
So viele Erwerbstätige wie noch nie - aber weniger Arbeit

Die Arbeit in Deutschland wird von immer mehr Menschen erledigt. Im zweiten Quartal dieses Jahres gingen mit 44,2 Millionen so viele Menschen einer Erwerbstätigkeit nach wie noch nie zuvor, berichtete das Statistische Bundesamt gestern (17.08.) in Wiesbaden. Im Vergleich zum bereits hervorragenden Startquartal stieg die Zahl noch einmal um 475 000 und damit weit stärker als es in den vergangenen Jahren zum Frühjahr saisonal üblich war. Das Vorjahresquartal wurde sogar um 664 000 Personen übertroffen, so dass die Wachstumsquote erneut bei 1,5 Prozent lag.

Der Anstieg ist allein auf mehr Arbeitnehmer zurückzuführen (+1,8 Prozent zum Vorjahresquartal), während die Zahl der Selbstständigen und ihrer helfenden Familienmitglieder um 0,6 Prozent auf 4,3 Millionen zurückging.

Mehr Leute wurden insbesondere im Dienstleistungsbereich eingestellt. Hier wuchs in der Jahresfrist die Beschäftigtenzahl vor allem bei öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit (+2,5 Prozent) und bei den Unternehmensdienstleistern (+2,6 Prozent). Auch Industrie (+0,7 Prozent) und Bau (+1,8 Prozent) legten zu, während sich bei Banken und Versicherungen der Abwärtstrend (-1,3 Prozent) fortsetzte.

Die vorhandene Arbeit, das so genannte gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, wird in der Folge immer stärker aufgeteilt, auch mit einem hohen Teilzeit-Anteil. Nach den Berechnungen der Statistiker arbeitete im zweiten Quartal jeder Erwerbstätige im Schnitt 321,2 Stunden. Das waren 28 Stunden weniger als noch in den ersten drei Monaten des Jahres und der absolut niedrigste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung, wie das Bundesamt berichtete.

Es gibt allerdings auch einen einfachen statistischen Grund für den Rückgang des Arbeitsvolumens: In diesem Jahr lag das Osterfest vollständig im zweiten Quartal. Allgemein zeigt das zweite Quartal wegen der vielen Feiertage jedes Jahr das schwächste Arbeitsaufkommen. (dpa)

Air Berlin meldet Insolvenz an

Air Berlin will trotz Insolvenz mitten in der Ferienzeit weiter fliegen. «Alle Flüge der Air Berlin und Niki finden weiterhin statt», versicherte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft heute (15. 08.). Zuvor hatte die chronisch defizitäre Airline einen Insolvenzantrag gestellt. Der Bund sichert aber mit einem Kredit den Flugbetrieb bis etwa Ende November, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte. Bis dahin könne die Lufthansa Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen.
Air Berlin meldet Insolvenz an
Bild: Federico Gambarini/dpa

Air Berlin mit ihren rund 8600 Beschäftigten schreibt seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

«Die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit, alle Flüge sind weiterhin buchbar», teilte das Unternehmen mit, das täglich rund 80 000 Passagiere befördert.

Der Touristik-Experte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Felix Methmann, erklärte, sollten Flüge nicht durchgeführt werden, treffe das vor allem Passagiere, die sich selbst ein Ticket gekauft haben. Anders als bei Pauschalreisen greife keine Absicherung. «Sie können nur hoffen, dass die Flüge tatsächlich durchgeführt werden», sagte Methmann. Der Verband habe seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden gefordert. «Jetzt rächt sich die Untätigkeit der Bundesregierung und der EU.»

Die Lage bei Air Berlin hatte sich seit Ende März verschärft. Mit der Umstellung auf den Sommerflugplan häuften sich Flugausfälle und Verspätungen. Man sei «zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht», hieß es in einer Air-Berlin-Pflichtmitteilung an die Börse.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete am Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung an - das bedeutet, dass das bisherige Management um Vorstandschef Thomas Winkelmann für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich bleibt. Vorläufiger Sachwalter ist der Rechtsanwalt Lucas Flöther, der zuletzt den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt rettetet und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig die Insolvenzverwaltung übernommen.

Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der Lufthansa «und weiteren Beteiligten» über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. Diese Verhandlungen könnten «zeitnah» abgeschlossen werden. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Dobrindt äußerten sich zuversichtlich. Lufthansa teilte mit, man wolle die Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis führen.

Lufthansa hatte zuletzt Interesse an Air Berlin bekundet, wollte aber nicht die Schulden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Zypries schloss aus, dass der Bund die Schulden übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen. Auf die Frage nach etwaigen weiteren Krediten des Bundes für Air Berlin sagte sie, über diese Frage werde entschieden, wenn es an der Zeit dafür sei.

Die Bundeshilfe für Air Berlin ist nach seinen Angaben der EU-Kommission gemeldet worden. Dobrindt rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren «ein paar Tage» dauert.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei «für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock». Etihad lasse Air Berlin «fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben», kritisierte VC. «Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht.» (dpa)

Etihad betonte, das Geschäft von Air Berlin habe sich zuletzt «rapide verschlechtert». Der irische Billigflieger Ryanair kritisierte die Rettungsmaßnahmen des Bundes. Der Insolvenzantrag sei «ganz eindeutig» mit dem Ziel arrangiert worden, dass Lufthansa die Air Berlin übernehmen könne, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Dies werde gegen alle deutschen und EU-Wettbewerbsregeln verstoßen.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo warnte vor einer Zerschlagung der Air Berlin. Auch Verdi forderte, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Der Gang in die Insolvenz sei ein harter Schlag für die Beschäftigten.

Air Berlin unterhält Drehkreuze für Umsteigeverbindungen in Berlin und Düsseldorf. Die Airports sicherten zu, Air Berlin bei der Restrukturierung zu unterstützen.

Teil-Rettung für Solarworld

Erleichterung bei vielen Mitarbeitern: Die deutschen Fabriken von Solarworld können mit neuem Eigentümer weiterproduzieren. Doch es fallen auch 1200 Stellen weg.
Teil-Rettung für Solarworld

Deutschlands letztes großes Solarunternehmen Solarworld bekommt noch eine Chance: Die deutschen Produktionswerke des seit drei Monaten insolventen Solarmodulherstellers dürfen mit neuem Eigentümer und einer auf 475 Beschäftigte heruntergefahrenen Belegschaft weiterarbeiten. Das billigte eine Gläubigerversammlung des Unternehmens am Freitag, 11. August, in Bonn, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters mitteilte. Einschließlich der Zentrale in Bonn gehe die neue Gesellschaft mit 515 Mitarbeitern an den Start.

An der Spitze steht der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt aus Katar. Solarworld hatte Mitte Mai - unter dem Druck der Konkurrenz unter anderem aus China - nach sechs Jahren mit roten Zahlen Insolvenz angemeldet.

Für weitere 1200 Solarworld-Beschäftigte, die an den beiden Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt nicht mehr benötigt werden, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln. Die Übernahme habe einen Gesamtwert von 96 Millionen Euro, hieß es aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Sitzung. Am Freitag habe auch das Bundeskartellamt die Entscheidung genehmigt, teilte Asbeck mit.

In der Solarworld-Zentrale in Bonn waren bereits 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt worden. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft. Ohne die Zustimmung der Gläubigerversammlung hätten fast alle Solarworld-Beschäftigte freigestellt und später entlassen werden müssen. «Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die Solarworld-Fertigungen zu entwickeln», erklärte Asbeck.

Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte zuvor für die Entscheidung geworben: «Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung.» Die Gläubiger hätten sich mit ihrer Zustimmung die Chance gesichert, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagte ein Piepenburg-Sprecher am Freitag.

Mit dem Geschäft übernimmt die neue Gesellschaft fast alle Anlagen, Vorräte und die Anteile an den Gesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Sie soll voraussichtlich zugunsten der Konkursmasse verkauft werden.

Das neue Rumpf-Unternehmen startet nach Einschätzung von Experten mit deutlich verbesserten Chancen. Vor allem falle das Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg.

Der zumindest teilweise Erhalt des Unternehmens sei wichtig für die deutsche Solarforschung, weil sie sonst ihre Anwendungsmöglichkeiten verloren hätte, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Prof. Andreas Bett. «Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China.»

Facebook richtet zweites deutsches Löschzentrum in Essen ein

Facebook reagiert auf das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz mit einer deutlichen Aufstockung seiner Löschkapazitäten in Deutschland. Bundesjustizminister Heiko Maas nennt die Entscheidung «überfällig» und legt weitere Kritikpunkte nach.
Facebook richtet zweites deutsches Löschzentrum in Essen ein

Facebook baut die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland, die strafbare oder beleidigende Einträge entfernen, demnächst stark aus. Im Herbst werde in Essen ein zweites Löschzentrum mit 500 Mitarbeitern eingerichtet, teilte das weltgrößte Online-Netzwerk am gestern (09.08.) mit. Am ersten Standort Berlin wird gerade die Zahl der Mitarbeiter der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato, die für Facebook im Einsatz sind, auf 700 erhöht. Das neue Zentrum in Essen soll nicht von Arvato, sondern dem europäischen Anbieter Competence Call Center betrieben werden.

Das vor kurzem im Bundestag angenommene Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internet-Plattformen, strafbare Hassrede schneller zu löschen. Es tritt zum 1. Oktober in Kraft. Anfang 2018 endet die Übergangsfrist, dann drohen Bußgelder. Neben Facebook zielt das Gesetz auch auf Plattformen wie YouTube und Twitter. In klaren Fällen sollen die Löschaktionen binnen 24 Stunden passieren, bei weniger eindeutigen Sachverhalten innerhalb einer Woche. Kritiker - auch aus der Internet-Branche - bemängeln unter anderem, dass damit die Unternehmen eine Deutungshoheit bekämen. Außerdem gebe es die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig, um vor nach dem Gesetz drohenden Geldstrafen sicher zu sein.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» die Facebook-Pläne für ein zweites Löschzentrum in Deutschland als «überfällig» und forderte vom Konzern klarere Entscheidungen im Umgang mit Nutzerbeschwerden. «Kein Unternehmen kann ein Interesse daran haben, dass seine Plattform missbraucht wird, um Straftaten zu begehen. Es ist überfällig, dass Facebook mehr Mitarbeiter einstellt, um sein Beschwerdemanagement zu verbessern, und somit nutzerfreundlicher wird», sagte Maas dem «Spiegel». «Die Entscheidungen von Facebook müssen einfach transparenter werden.»

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lobte die Standortentscheidung von Facebook. «Nicht nur wie bisher aus Berlin, sondern jetzt auch aus Nordrhein-Westfalen wird künftig ein wesentlicher Beitrag zur Netzsicherheit und zur Kommunikationskultur im Internet geleistet werden», erklärte er. «Der Standort Essen im Herzen des Ruhrgebiets hat den Weltkonzern Facebook überzeugt und übernimmt nun eine zentrale Funktion in der globalen Netzkommunikation.»

Weltweit will Facebook die Zahl der Mitarbeiter, die Inhalte prüfen und löschen, von 4500 auf 7500 ausbauen.

Billighändler Tedi will 300 neue Filialen eröffnen

Mit einem bunt gemischten Angebot aus Schreibwaren, Bastelbedarf, Dekoartikeln und allerlei Krimskrams ist der Dortmunder Billighändler Tedi in Deutschland und Europa auf Wachstumskurs. Allein in der Bundesrepublik will die Kette in diesem Geschäftsjahr rund 150 neue Läden eröffnen, noch einmal so viele im europäischen Ausland. Insgesamt verfügt das 2004 gegründete Unternehmen bereits über rund 1600 Filialen in Deutschland, Österreich, Slowenien, der Slowakei, den Niederlanden und Spanien.
Billighändler Tedi will 300 neue Filialen eröffnen

Der Löwenanteil - rund 1350 Filialen - steht in Deutschland. Doch will das Unternehmen sein Auslandsstandbein in Zukunft deutlich stärken. «In den nächsten Wochen werden wir die ersten Läden in Kroatien eröffnen. Nächstes Jahr starten wir in Italien. Und im Anschluss daran stehen Polen und Portugal auf dem Programm», sagte Tedi-Geschäftsführer Silvan Wohlfarth der Deutschen Presse-Agentur.
Genau Zahlen zu Umsatz und Gewinn nennt das Unternehmen nicht. Wohlfarth betonte lediglich: «Das Umsatzwachstum bei Tedi ist seit Jahren zweistellig. Und wir schreiben schwarze Zahlen.»
Neben Tedi haben auch einige Konkurrenten wie die niederländische Billigkette Action oder der schwedische Händler Rusta ehrgeizige Wachstumspläne für Deutschland verkündet. So will Action nach Angaben von Firmenchef Sander van der Laan in diesem Jahr deutlich mehr als 60 neue Läden in der Bundesrepublik eröffnen. Und Rusta sieht langfristig Platz für 500 eigene Läden.

Leiharbeit legt um 4,4 Prozent zu

Dumpinglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen und eine hohe Wahrscheinlichkeit, gleich wieder arbeitslos zu sein - Leiharbeit sei prekäre Beschäftigung, sagt die Linke. Und sie lege weiter zu.
Leiharbeit legt um 4,4 Prozent zu

Die Leiharbeit hat nach Zahlen der Bundesregierung in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Im Dezember 2016 gab es mit 993 000 fast eine Million Leiharbeitskräfte, 4,4 Prozent mehr als 2015. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Im Vergleich zu 2013 sei das ein Anstieg um 16,4 Prozent. Und seit 2003 habe sich die Zahl sogar verdreifacht.
Leiharbeit sei vor allem durch sehr kurze Arbeitsverhältnisse geprägt, erläuterte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst. 54 Prozent der Arbeitsverhältnisse waren spätestens nach drei Monaten beendet. Und lediglich 22,3 Prozent dauerten länger als neun Monate. Länger als 15 Monate dauerten demnach nur 14,1 Prozent.
Der Anteil von Leiharbeitskräften ist den Angaben zufolge in Bremen und Thüringen besonders hoch. Während der Anteil bundesweit bei 2,7 Prozent liege, werde er in diesen Bundesländern mit 4,7 Prozent und 3,9 Prozent ausgewiesen, sagte Ernst.
Er kritisierte: «Leiharbeit ist organisierte Lohndrückerei, die mittlerweile eine fatale Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielt. Die einzigen, die davon profitieren, sind Arbeitgeber.» Der Durchschnittslohn in der Leiharbeit liegt den Angaben zufolge bei gerade einmal 58 Prozent des allgemeinen Durchschnittslohn. 1816 Euro pro Monat bei Leiharbeit stünden 3133 Euro bei Vollzeittätigkeit gegenüber.
Fast die Hälfte der Leiharbeitskräfte, deren Arbeitsverhältnis beendet wurde, war nach 30 Tagen immer noch ohne Beschäftigung. 26 Prozent hatten nach 30 Tagen ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis außerhalb der Leiharbeit gefunden. Jeder Fünfte hatte wieder ein Leiharbeitsverhältnis.
Von einer Brücke in reguläre Beschäftigung könne bei der Leiharbeit also keineswegs die Rede sein, so Ernst. «Vielmehr handelt es sich um eine Form prekärer Beschäftigung, die durch kurze, sich aneinander reihende Arbeitsverhältnisse mit niedrigen Löhnen geprägt ist.» Leiharbeiter würden mit Dumpinglöhnen abgespeist, hätten schlechtere Arbeitsbedingungen und eine hohe Wahrscheinlichkeit, nach kurzer Zeit erneut arbeitslos zu sein.
Die SPD habe 2016 die Chance gehabt, Leiharbeit schärfer zu regulieren. Stattdessen habe sie die Lage per Gesetz noch verschlechtert, kritisierte der Linken-Politiker. «Leiharbeit gehört mindestens so reguliert wie in Frankreich: Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit plus ein zehnprozentiger Flexibilitätszuschlag. Wenn es die SPD mit sozialer Gerechtigkeit ernst meint, darf sie nicht ständig vor der Arbeitgeberlobby einknicken.»

Solarworld-Gründer Asbeck will deutsche Werke übernehmen

Der Solar-Pionier macht einen letzten Versuch, sein Lebenswerk zu retten: Vermutlich mit Hilfe aus Katar will er die beiden deutschen Werke von Solarworld aus der Insolvenz kaufen. Wenn die Gläubiger zustimmen, wären damit knapp 500 Jobs gerettet. Der Gründer des insolventen Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, will über eine neue Firma die zwei deutschen Werke des Konzerns mit verbleibenden 475 Arbeitsplätzen übernehmen. Wie das Unternehmen heute (08.08.) mitteilte, hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg einen Kaufvertrag mit der Ende Juli von Asbeck gegründeten Solarworld Industries GmbH geschlossen. Diese solle «wesentliche Teile der Solarzellen- und Modulproduktion» weiterführen und sich auch um den Vertrieb kümmern, hieß es.
Solarworld-Gründer Asbeck will deutsche Werke übernehmen

Für 1200 Beschäftigte in den beiden Werken im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt, die nicht mehr benötigt werden, seien Transfergesellschaften bis Mitte Februar 2018 geplant - 500 in Arnstadt und 700 in Freiberg. Der Einigung müssen die Gläubiger noch zustimmen. Dazu hat Piepenburg für diesen Freitag (11.8.) eine außerordentliche Gläubigerversammlung in Bonn beantragt.
Das Geld für das Geschäft soll nach unbestätigten Berichten aus Katar kommen. Das Unternehmen Qatar Solar aus dem Emirat am Golf ist an Solarworld mit 29 Prozent beteiligt. Wenn die Gläubiger zustimmen, will Solarworld Industries in der neuen Struktur am 16. August starten. Zur Kaufsumme machten Piepenburg und Solarworld keine Angaben.
In der Solarworld-Zentrale in Bonn wurden bereits 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft von etwa 65 Beschäftigten. «Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung», sagte Piepenburg der Deutschen Presse-Agentur.
Es habe mehrere andere seriöse Interessenten aus aller Welt gegeben, aber alle hätten noch mehrere Monate für die Prüfung des Kaufs benötigt, sagte ein Sprecher Piepenburgs. So viel Zeit habe das Unternehmen aber nicht, da für die Gehälter kein Geld mehr da sei.
Mitte Mai hatte Solarworld mit weltweit rund 3000 Beschäftigten nach sechs Verlustjahren in Folge Insolvenz anmelden müssen. Solarworld sieht sich als Opfer des weltweiten Preissturzes bei Solarmodulen durch Dumping-Angebote vor allem chinesischer Hersteller. Kritiker werfen Asbeck aber auch eigene Fehler und eine zu späte Reaktion auf die Marktveränderungen vor. 2013/14 war der Konzern schon einmal der Pleite nur knapp mit einem tiefen Schuldenschnitt entkommen. In Deutschland wurden zuletzt knapp 1900 Mitarbeiter beschäftigt.
Dem neuen Eigentümer würden fast alle Anlagen, Vorräte und ausstehende Forderungen übertragen, erklärte der Konzern. Dazu kämen Anteile an den Auslandsgesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Ein Großteil des Kaufpreises bestehe in der Ablösung der Schulden von Solarworld. Aktionäre der bisherigen Solarworld AG hätten keine Aussicht, an den Verkaufserlösen oder am restlichen Vermögen beteiligt zu werden.
Falls der Verkauf der Werke gelinge, könne die neue Gesellschaft ohne die Schuldenlast des Konzerns deutlich entlastet starten, sagte ein Branchenfachmann. Außerdem falle das existenzgefährdende Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg. «Mit dem Neustart hätte der Rest von Solarworld wieder eine Chance, auch wenn die Dumpingpreise am Markt natürlich bleiben», sagte ein Marktinsider.

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