Beschäftigte wollen mehr Selbstbestimmung im Job

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Mobiles Arbeiten von zu Hause ist keine Ausnahme mehr. Die Beschäftigten dürfen dabei aber nicht draufzahlen, fordert die IG Metall.
Beschäftigte wollen mehr Selbstbestimmung im Job

Die IG Metall macht sich für mehr selbstbestimmtes Arbeiten stark. «Seit der Krise 2008/2009 wurde den Beschäftigten, was ihre Flexibilität angeht, viel abverlangt. Nun gibt es einen starken Wunsch nach mehr Selbstbestimmung am Arbeitsplatz nach dem Motto "Jetzt sind wir dran"», sagte IG Metall-Chef Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur. Viele Beschäftigte wollten zeitweise kürzer arbeiten, zum Beispiel vier statt fünf Tage die Woche, um sich um pflegebedürftige Eltern oder die Kindererziehung zu kümmern. «Eine zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit mit teilweisem Lohnausgleich müsste tarifvertraglich geregelt werden.»

Um genauer zu wissen, wo die Beschäftigten der Schuh drückt, plant die IG Metall im Januar 2017 eine Umfrage mit dem Schwerpunkt Arbeitszeit. «Wir wollen wissen, welche Erwartungen die Beschäftigten bei dem Thema an die nächste Tarifrunde und darüber hinaus an die Arbeitszeitpolitik haben.»
Bei der Umfrage soll es auch um das Thema mobiles Arbeiten gehen. Viele Beschäftigte wollten auch von zu Hause aus arbeiten. «Aber die Arbeitszeit muss erfasst und vergütet werden», sagte Hofmann. «Arbeit hat ihren Wert. Wenn sie nichts kostet, sinkt die Wertschätzung gegenüber der erbrachten Leistung des Einzelnen. Die Gefahr der Verlagerung von Arbeit in die Freizeit wird immer größer». Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße sein.
Gefordert sind aus Sicht des ersten Vorsitzenden der IG Metall auch die Führungskräfte in den Unternehmen. «Statt Präsenzkultur braucht es das Vertrauen in das Arbeitszeitverhalten der Beschäftigten.»

Nach Hofmanns Angaben spielt mobiles Arbeiten bei etwa einem Drittel der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie eine Rolle - vor allem im Vertrieb, bei Forschung und Entwicklung und in der Verwaltung. «Zwei Drittel der Beschäftigten können von mobiler Arbeit nicht profitieren. Aber auch in der Schichtarbeit gibt es Möglichkeiten, Arbeitszeiten besser an die Lebenslage und Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen.»

Mit Sorge betrachtet die IG Metall, dass bei Umstrukturierungen von Unternehmen nicht selten Bereiche ausgegliedert werden, die dann nicht mehr unter den Tarifvertrag fallen. «Tarifflucht begeht man, indem man Teilbereiche ausgliedert», sagte Hofmann. «Hier sehen wir Handlungsbedarf.»

Ziel der diesjährigen Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie war es daher auch, die Tarifbindung zu erhöhen. In zusätzlich 60 Firmen ist dies den Angaben zufolge gelungen. Bundesweit fallen 55 Prozent der Beschäftigten der Branche unter die Tarifbindung, allerdings nur rund 30 Prozent in Ostdeutschland.

Auch Daimler streitet mit Zulieferer Prevent vor Gericht

Volkswagen ist nicht der einzige Autohersteller, der mit dem Zulieferer Prevent im Clinch liegt. Beim Autobauer Daimler hat die Auseinandersetzung allerdings weit weniger dramatische Auswirkungen.
Auch Daimler streitet mit Zulieferer Prevent vor Gericht

Neben Volkswagen streitet auch der Autobauer Daimler mit dem Zulieferer Prevent vor Gericht. Vor dem Landgericht Braunschweig wolle der Lieferant 40 Millionen Euro Schadenersatz erstreiten, sagte ein Sprecher des Gerichts am 22. August. Prevent sehe demnach Verträge von Daimler als nicht erfüllt und nicht wirksam beendet an. Am 8. November werde zunächst die Frage geklärt, welche Kammer überhaupt für das Verfahren zuständig ist. Nachdem die Klage beim Landgericht Braunschweig zunächst von der Handels- zur Zivilkammer weitegereicht wurde, sieht das Gericht nun die Zuständigkeit eigentlich in Stuttgart (Az.: 9 O 2142/15).

«Bild am Sonntag» und «Süddeutsche Zeitung» (Montag) hatten zuvor über den Rechtsstreit berichtet. Vor dem Landgericht Stuttgart war Prevent Dev GmbH im Jahr 2014 schon mit einer einstweiligen Verfügung gescheitert (Az.: 40 O 69/14). Die Verfügung wurde vom Gericht gekippt, auch die Berufung vor dem Oberlandesgericht blieb ohne Erfolg (Az.: 5U 149/14). Weder Daimler noch Prevent wollten sich zu dem Verfahren äußern.

In den Gerichtsunterlagen ist die Prevent Dev GmbH als Kläger genannt. Im Jahresabschluss des Unternehmens ist die Rede von 2013 gekündigten Aufträgen und einem «Abzug des Lieferumfanges» der Daimler AG im Jahr 2014. Dem Vernehmen nach geht es um Sitzbezüge, allerdings nicht von der Firma Car Trim.

Bei Volkswagen wirbelt der Lieferstopp von Prevent Großteile der Produktion empfindlich durcheinander. Der Grund sind fehlende Getriebeteile und Sitzbezüge der Lieferanten ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören. In Emden, Wolfsburg, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig könnten insgesamt 27 700 Mitarbeiter teils noch bis Ende August nicht so arbeiten, wie es eigentlich geplant sei, teilte der Konzern mit.

Eine Daimler-Sprecherin bestätigte Lieferbeziehungen mit Prevent und Prevent-Gesellschaften. Es gebe aber keine Lieferschwierigkeiten. Car Trim sei derzeit kein Serienlieferant von Mercedes-Benz. Die ES Automobilguss habe den Stuttgarter Autobauer früher beliefert. «Derzeit besteht keine Lieferbeziehung», so die Sprecherin.

Entlassungen bei Hamburger Spieleschmiede Goodgame Studios

Für die Mitarbeiter von Goodgame Studios war die Sitzung ein Schock. Der große Spielehersteller verkündete für viele überraschend größere Entlassungen. Die Gewerkschaft Verdi nennt das Vorgehen «ganz übel».
Entlassungen bei Hamburger Spieleschmiede Goodgame Studios

Die einst erfolgsverwöhnte Hamburger Spieleschmiede Goodgame Studios hat Entlassungen in größerem Umfang angekündigt. In einer Presseerklärung heißt es, es werde Kündigungen voraussichtlich in «einem unteren dreistelligen Bereich» geben. Der Stellenabbau soll bereits bis Ende September erfolgen. In einem Bericht der «Hamburger Morgenpost» (Freitagsausgabe vom 19. August) ist von mehreren hundert betroffenen Mitarbeitern die Rede.
Goodgame hat bisher 1100 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als Deutschlands größtes Spieleunternehmen. Es ist auf die Entwicklung von Spielen spezialisiert, die auf mobilen Geräten oder über den Browser am Rechner gespielt werden. Die Spiele selbst sind kostenlos (Free-to-play), Geld verdient das Unternehmen mit eingeblendeter Werbung oder digitalen Zusatzangeboten. Zu den größten Spieleerfolgen des Unternehmens gehört «Empire». Vor rund anderthalb Jahren wollte das Unternehmen noch massiv expandieren.

Die Entlassungen begründete Goodgame mit Umstrukturierungen. Das Unternehmen wolle sich in Zukunft verstärkt auf sein «sehr profitables Kerngeschäft», Strategiespiele für die Plattformen Mobile und Browser, konzentrieren.

Goodgame-Sprecher Dirk Hensen sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag (19. August), das Unternehmen könne noch nichts zur genauen Zahl der Entlassungen sagen. Dies könne erst «nach Beendigung des vorgeschalteten höher dotierten freiwilligen Abfindungsprogramms» erfolgen. «Erst danach ist ersichtlich, wie viele Mitarbeiter entlassen werden.» Er betonte, der Stellenabbau sehe neben einem freiwilligen Abfindungsprogramm auch Nichtverlängerung auslaufender Verträge vor. Ausländischen Mitarbeitern würden etwaige Umzugskosten erstattet.

Laut «Mopo» wurden die Mitarbeiter von der Ankündigung bei einem «Company-Meeting» völlig überrascht. Die Kündigungen sollen wohl schon im September wirksam werden. Ungewöhnlich sei auch, dass diejenigen, die bleiben dürfen, offenbar eine entsprechende E-Mail erhalten hätten. Goodgame-Sprecher Hensen sagte dazu: «Wenige hundert Mitarbeiter, die wichtig für die erfolgreiche Fortführung von Goodgame Studios sind, haben wir darüber hinaus schriftlich informiert, dass sie für das freiwillige Abfindungsprogramm nicht in Frage kommen.»
Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Hansjörg Schmidt äußerte sich über Twitter empört zu den Entlassungen. Er bezeichnete den Umgang bei Goodgame mit den Mitarbeitern als «einfach unwürdig». Goodgame würde «Mitarbeiter durch die kalte Küche abservieren». Auch die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Entlassungen. Das sei «ganz übel», was das passiere, sagte Pressesprecher Björn Krings. Das erkläre vielleicht auch, warum das Unternehmen in der Vergangenheit so allergisch auf die angestrebte Gründung eines Betriebsrates reagiert habe.
Die Gewerkschaft Verdi hatte schon im vergangenen Jahr die Bedingungen bei Goodgame kritisiert. So sei 14 Beschäftigten, die eine Betriebsratswahl vorbereitet hätten, gekündigt worden - «mit fadenscheinigsten Gründen», erklärte damals Verdi-Landesbezirksleiter Berthold Bose.
Laut Medien war Goodgame in den guten Jahren durch luxuriöse Arbeitsbedingungen aufgefallen. Dazu gehörten ein Swimmingpool im Garten, ein Fitnessstudio und Freibier am Abend.

Gastgewerbe profitiert von Konsumlust der Verbraucher

Die Biergartensaison ist zum Teil ins Wasser gefallen. Die Betriebe hoffen auf gutes Wetter in den nächsten Wochen. Insgesamt fällt die Halbjahresbilanz des Gastgewerbes aber positiv aus.
Gastgewerbe profitiert von Konsumlust der Verbraucher

Der Boom im Deutschland-Tourismus und die Konsumlust der Verbraucher lassen bei Hotels und Gaststätten die Kassen klingeln. Im ersten Halbjahr setzte das Gastgewerbe 3,3 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Zu unveränderten Preisen ergab sich ein reales Wachstum von 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am 17. August in Wiesbaden berichtete. Vor allem Caterer und Hotels legten zu, während bei der Gastronomie der reale Zuwachs nur 0,3 Prozent betrug. Insbesondere Biergärten und Co. litten unter dem unbeständigen Wetter der vergangenen Monate.

«Das Wetter war durchwachsen und dadurch auch das Geschäft in der Außengastronomie in Hessen», sagte der Hauptgeschäftsführer des hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Julius Wagner auf Anfrage. Auch die Fußball-EM habe die Erwartungen nicht erfüllt. Viele Fans hätten wegen des Wetters die Spiele zuhause gesehen. «Die Betriebe haben für die Saison Personal eingestellt und jetzt entsprechende Fixkosten».

«Das Biergartenwetter war bisher nicht so toll», sagte auch Monika Poschenrieder vom Dehoga Bayern. Das Geschäft sei in diesem Jahr relativ spät losgegangen, «aber wir haben ja noch ein paar Monate vor uns».

Insgesamt fällt die Halbjahresbilanz der Branche aber positiv aus - auch weil viele Bundesbürger wegen Sorgen vor Terroranschlägen in beliebten Reiseregionen Urlaub im eigenen Land machen. Zudem ist Deutschland bei Ausländern als Reiseland beliebt.

«Fast 200 Millionen Übernachtungen in den ersten sechs Monaten sprechen für sich. Trotz einer kleinen Delle im Juni steuert das Reiseland Deutschland auf den siebten Übernachtungsrekord in Folge zu», sagte der Präsident des Dehoga Bundesverbandes, Ernst Fischer laut Mitteilung.

Die gute Lage am Arbeitsmarkt, steigende Einkommen und stabile Preise kurbelten den privaten Konsum an. Davon profitiere auch das Gastgewerbe. Die Branche rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem nominalen Umsatzplus im Gastgewerbe von 2,5 Prozent.

Schwächer als im gesamten Halbjahr lief das Geschäft im Juni. Im Vergleich zum Vorjahresmonat blieb zwar noch ein kleines Plus von 0,5 Prozent in den Kassen. Zu unveränderten Preisen musste die Branche aber einen Rückgang um 1,5 Prozent hinnehmen. Als Gründe nannte der Branchenverband Dehoga unter anderem den sehr starken Vorjahresmonat und das schlechte Wetter, das in einigen Teilen Deutschlands zu Einbußen geführt habe.

Traditionelle Berufe für Ausbildung sind gefragt

Beim Chatten und Surfen stehen sie auf Hightech - bei ihrer Berufswahl scheinen deutsche Jugendliche gemessen an ihren Lehrstellenwünschen dagegen eher traditionell zu ticken. Auf einer Liste der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland rangieren weiterhin klassische Handel- und Kaufmannsberufe statt zukunftsweisender Informationstechnik-Jobs ganz oben. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Traditionelle Berufe für Ausbildung sind gefragt

Die zehn gefragtesten Ausbildungsberufe führte Ende Juli der Kaufmannsberuf mit Schwerpunkt Büromanagement an. Von den 509 600 jungen Leute, die sich in den vergangenen Monaten bei ihrer Lehrstellensuche an die Arbeitsagenturen wandten, sahen darin knapp 36 000 ihre Wunsch-Ausbildung. Knapp 33 000 (Platz zwei) suchten eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, gefolgt von der Verkäufer-Ausbildung (Platz 3/29 800 Jugendliche). Für eine Lehrstelle zum Industriekaufmann interessierten sich rund 21 500 Jugendliche (Platz 6).

Dabei sind, so zeigt der Blick in die Bundesagentur-Statistik, die Aussichten auf einen Azubiplatz im Handel selbst eineinhalb Monate vor Beginn der meisten Berufsausbildungen gar nicht so schlecht. Trotz der großen Nachfrage sind derzeit noch viele Lehrstellen für angehende Kaufleute und Verkäufer frei. So steht auf der Liste der Ende Juli noch immer unbesetzten Ausbildungsplätze die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit 12 800 Stellen auf Platz eins, gefolgt von knapp 11 400 Verkäuferstellen.

Beste Aussichten haben auch junge Leute mit Spaß am Kochen: die Gastronomie sucht derzeit noch mehr als 6200 Nachwuchsköche - ein Ausbildungsberuf, der damit auf Platz drei rangiert. Gute Chancen haben junge Leute auch als Büromanagement-Kaufmann (Platz 4/5300 freie Stellen), Bäckerei-Fachverkäufer (Platz 5/4600 freie Stellen), als Handelsfachwirt (Platz 6/4500 freie Stellen), als angehender Hotelfachmann (Platz 7/4400 freie Stellen), als Friseur (Platz 8/4300 Stellen), als Restaurant-Fachkraft (Platz 9/4100 Stellen) und als Logistik-Fachkraft (Platz 10/3900 Stellen).

Um noch unvermittelte Bewerber schneller in eine Ausbildung zu bringen, rief unterdessen Bundesagentur-Vorstandsmitglied Raimund Becker Bewerber und Betriebe dazu auf, erfolgreiche Vermittlungen sofort den örtlichen Arbeitsagenturen zu melden. «Wir wollen alle Kapazitäten für die tatsächlich unversorgten Bewerber und noch offenen Stellen einsetzen», sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur. Damit werde vermieden, dass sich junge Leute auf bereits vergebene Lehrstellen bewerben.

Wie die jüngsten Daten Bundesagentur für Arbeit zeigen, entwickelt sich der Ausbildungsmarkt immer mehr zu einem Bewerbermarkt: Zwar hatten Ende Juli noch rund 148 000 junge Männer und Frauen noch keine Lehrstelle gefunden; dies sind rund 6600 oder 4,2 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Ihnen standen aber noch 172 200 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Das entspricht einem Plus von mehr als 8900 Lehrstellen (plus 5,5 Prozent). Die Situation sei aber von Region zu Region sehr unterschiedlich, betont die BA immer wieder.

Azubis fehlen

Restaurantfachleute, Fleischer, Lebensmittelfachverkäufer: Für diese Berufe lassen sich zu wenige junge Leute begeistern. Kritisiert werden nervige Arbeitszeiten und ein rüder Umgangston. Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt.
Azubis fehlen

Derzeit starten wieder Zehntausende junge Menschen eine Berufsausbildung. Doch auch dieses Jahr dürften viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Vom Nachwuchsmangel besonders betroffen sind auch das Hotel- und Gaststättengewerbe oder das Lebensmittelhandwerk. Beide Branchen gelten für eine Ausbildung bei Jugendlichen als eher unattraktiv - vor allem wegen Arbeitszeiten und -belastung und niedrigem Lohn. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ruft die Unternehmen auf, gerade dort die Qualität der Lehre hochzuhalten.
Grund dafür sind Klagen aus Reihen der Auszubildenden, auf die sich die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack bezieht. «Die jungen Menschen beklagen eine schlechte fachliche Ausbildung, einen rüden Umgangston und Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz», sagte die Gewerkschafterin der Deutschen Presse-Agentur. Es sei kein Wunder, wenn die Jugendlichen einen großen Bogen um diese Betriebe machten. «Wer junge Menschen für eine Ausbildung in einem Betrieb gewinnen will, muss ihnen eine gute Ausbildung und vernünftige Entwicklungsperspektiven bieten», forderte Hannack.
Arbeitgebervertreter bügelten die Kritik ab: «Permanent bringe der DGB die Branche in Misskredit», klagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges. Die Realität sehe anders aus. «Natürlich gibt es vereinzelt schwarze Schafe - die werden aber auch keine Azubis bekommen.» Der Zentralverband des Handwerks wies die Vorwürfe ebenfalls zurück.
Zuletzt blieben überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze im Hotel- und Gaststättengewerbe oder dem Lebensmittelhandwerk frei, wie Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ergaben. Die größten Besetzungsprobleme gab es demnach für Ausbildungen im Restaurantfach, zum Fleischer oder Lebensmittelfachverkäufer. In der Top Ten der Ausbildungsberufe mit besonders vielen freien Lehrstellen waren zudem Koch oder Bäcker vertreten.
«Wir müssen aber mehr denn je in die Qualität der Ausbildung investieren», forderte Hartges mit Blick auf die vielen unbesetzten Lehrstellen. Gründe dafür sieht die Dehoga-Hauptgeschäftsführerin vor allem in der hohen Zahl junger Menschen, die sich nach der Schule eher für ein Studium statt für eine Ausbildung entscheiden.
Im vergangenen Jahr sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Vergleich zu 2014 erneut leicht auf gut 522 000 (Stichtag 30. September). Deutschlandweit blieben in allen Branchen rund 41 000 Lehrstellen frei. Nach Daten des BIBB konnten in der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche 2015 gut 5000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, in der Lebensmittelherstellung mehr als 4500. Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor.

Der Weg zurück zur Arbeit

Für die Bundesagentur für Arbeit (BA) wiegt das Problem schwer: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt seit Jahren bei rund einer Million. Manche haben seit Jahren nicht mehr gearbeitet.
Der Weg zurück zur Arbeit

Trotz guter Konjunktur findet nur etwa jeder siebte Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben zurück. So hätten von den 1,4 Millionen Männern und Frauen, die im Jahr 2015 angaben, nicht mehr auf Jobsuche zu sein, nur 197 000 tatsächlich eine reguläre Stelle gefunden, geht aus einer aktuellen Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr im Schnitt 1,039 Millionen Langzeitarbeitslose; damit war jeder dritte registrierte Erwerbslose ein Jahr oder länger auf Arbeitssuche. Die Zahl verharrt seit 2011 etwa auf diesem Niveau, obwohl sich die Bundesagentur seit Jahren um einen Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit bemüht.

Weitere 52 000 oder vier Prozent wechselten 2015 in einen von der Bundesagentur geförderten Job. 280 000 oder 20 Prozent wiederum starteten nach der BA-Analyse eine Aus- oder Fortbildung. Über die Entwicklung hatten am Mittwoch zuerst Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichtet.

Der Löwenanteil von 871 000 (62 Prozent) verzichtete hingegen bei den Arbeitsagenturen oder Jobcentern auf eine weitere Registrierung als Arbeitslose, weil sie entweder krank waren oder in Rente oder Vorruhestand gingen. Andere hätten sich auch wegen der geringen Aussicht auf einen Job bei ihrem Vermittler abgemeldet und tauchten daher in der Statistik ebenfalls nicht mehr als arbeitslos auf, erläuterte eine Bundesagentur-Sprecherin.

Viele der Langzeitarbeitslosen sind nach den Bundesagentur-Zahlen schon seit Jahren keiner regulären Beschäftigung mehr nachgegangen. 16 Prozent waren bis zu zwei Jahre, 8 Prozent bis zu drei Jahre ohne Job. Jeder 20. Langzeitarbeitslose hatte bis zu vier Jahre nicht mehr gearbeitet, acht Prozent sogar vier Jahre und mehr. Neben dem hohen Alter sei für Langzeitarbeitslose oft auch die geringe Qualifikation ein Handicap bei der Arbeitssuche, berichtet die Bundesagentur.

Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal deutlich gestiegen

Der Boom am deutschen Arbeitsmarkt setzt sich fort. Die Zahl der Erwerbstätigen wuchs von April bis Juni kräftig. Und auch ein saisonaler Zuwachs ist dieses Jahr besonders stark.
Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal deutlich gestiegen

Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt in starker Verfassung: Von April bis Juni stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Inland binnen Jahresfrist um 1,2 Prozent auf 43,5 Millionen, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte. Das waren 529 000 Menschen mehr als im zweiten Quartal 2015.
Auch der Zuwachs gegenüber dem ersten Quartal des laufenden Jahres fiel stark aus: Gemessen daran stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 461 000 (plus 1,1 Prozent). Der saisonal übliche Aufschwung im zweiten Quartal war damit stärker als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Saisonbereinigt hätte sich den Berechnungen zufolge ein Anstieg um von 0,3 Prozent ergeben.
Erneut wurden vor allem in der Dienstleistungsbranche neue Jobs geschaffen: Sowohl im Bereich Öffentlicher Dienst, Erziehung und Gesundheit (plus 2,0 Prozent gegenüber 2015) als auch bei den Unternehmensdienstleistern (plus 2,9 Prozent) und in Handel, Verkehr und Gastgewerbe (1,4 Prozent).
In der Industrie (ohne Bau) stieg die Zahl der Beschäftigten indes nur leicht um 0,2 Prozent, während sie in Land-, Forst- und Fischwirtschaft deutlich sank (minus 2,5 Prozent).
Abermals setzte sich der Trend fort, dass immer mehr Menschen abhängig beschäftigt sind. Die Zahl der Arbeitnehmer stieg innerhalb eines Jahres um 1,4 Prozent auf 39,2 Millionen Menschen. Der Anstieg ist laut Statistischem Bundesamt auf einen anhaltenden Zuwachs bei sozialversicherungspflichtigen Jobs zurückzuführen. Zugleich ging wie seit Jahren die Zahl der Selbstständigen einschließlich ihrer mithelfenden Angehörigen etwas zurück: Sie fiel im Jahresvergleich um 0,7 Prozent auf 4,3 Millionen und damit auf das Niveau von 2004.

US-Netzwerkriese Cisco plant großen Jobabbau

Der US-Netzwerkausrüster Cisco plant einem Branchendienst zufolge einen Jobkahlschlag. Bis zu 14 000 der weltweit zuletzt rund 73 000 Arbeitsplätze könnte das Unternehmen streichen, berichtete der IT-Fachdienst CRN in der Nacht zum 17. August unter Berufung auf mehrere unternehmensnahe Quellen.
US-Netzwerkriese Cisco plant großen Jobabbau
Bild: EPA/MONICA M. DAVEY

Damit wäre fast jede fünfte Stelle bei dem Hersteller von Routern, Servern und anderen Netzwerkgeräten betroffen.
Cisco wolle sich vom angestammten Hardwaregeschäft mehr und mehr zu einem Anbieter von Software für Netzwerke wandeln - dafür bräuchten die Mitarbeiter andere Qualifikationen, sagte ein Insider dem Bericht zufolge. Cisco wollte die Informationen den Angaben zufolge nicht kommentieren.
Eine offizielle Bekanntgabe von Stellenstreichungen könnte in den kommenden Wochen folgen, hieß es weiter.

Bundestagsexperten warnen vor Lockerung von Arbeitszeit-Regelungen

Dortmund/Berlin (dpa) - Experten des Bundestages haben einem Medienbericht zufolge vor einer von Ministerin Andrea Nahles (SPD) angeregten Lockerung der gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften gewarnt.
Bundestagsexperten warnen vor Lockerung von Arbeitszeit-Regelungen
Bild: dpa

Werde die Mindestruhezeit von elf Stunden verkürzt, könne der Zeitdruck zu einem riskanteren Fahrverhalten führen, «wodurch sich das Risiko eines Wegeunfalls erhöht», zitieren die «Ruhr Nachrichten» (Freitag) aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Durch eine Zerstückelung der Ruhezeit - etwa durch Arbeit an Laptop oder Handy von zu Hause aus - wäre die empfohlene Schlafdauer von sieben bis acht Stunden «nicht erreichbar». Das Gutachten war demnach von der Linksfraktion in Auftrag gegeben worden.

Arbeitsministerin Nahles will die gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften lockern - unter der Bedingung, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber dafür mehr tarifvertragliche Regelungen treffen. Der gesetzliche Rahmen könne also unter der Voraussetzung etwas erweitert werden, dass die «ausgehandelte Flexibilität» zu einem Tarifvertrag und einer Betriebsvereinbarung führe. Denn heute entspreche das Arbeitszeitrecht nicht immer den Bedürfnissen bestimmter Betriebe oder Beschäftigter, hatte Nahles Mitte Juni in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» geschrieben.

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