Airbus-Chef schließt Kündigungen nicht aus

Airbus schließt beim angekündigten Abbau von fast 1200 Stellen auch Entlassungen nicht aus. Er könne nicht garantieren, dass es keine Kündigungen geben werde, sagte der Chef des europäischen Luftfahrt- und Raumfahrtkonzerns, Tom Enders, in einem Interview der französischen Zeitung «Le Figaro».
Airbus-Chef schließt Kündigungen nicht aus

Enders versicherte aber, Airbus werde alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiter zu begleiten - etwa Weiterbildung und interne Jobwechsel.
Enders will Doppelstrukturen abschaffen, indem er das Management des Konzerns mit dem der Zivil-Flugzeugsparte zusammenlegt. Vergangene Woche hatte der Konzern angekündigt, dabei 1164 Stellen abzubauen. In Deutschland fallen 429 Stellen weg.
Enders verteidigte die Entscheidung gegen französische Gewerkschaften, die die Stellenkürzungen unter Verweis auf die prall gefüllten Auftragsbücher für Passagierjets kritisiert hatten. Airbus dürfe sich nicht auf seiner Position ausruhen, sagte der Konzernchef. Die Umstrukturierung «gibt uns die Mittel, uns auf den digitalen Umbau vorzubereiten und unseren Entscheidungsprozess schneller zu machen».

VW-Tochter Audi verlängert Job-Garantie bis 2020

Die Beschäftigten der VW-Tochter Audi sollen bis mindestens 2020 von Stellenstreichungen verschont bleiben. Dafür hat das Management die Beschäftigungsgarantie für die rund 61 000 Mitarbeiter um weitere zwei Jahre verlängert, wie das Unternehmen am Montag nach einer Betriebsversammlung in Ingolstadt mitteilte.
VW-Tochter Audi verlängert Job-Garantie bis 2020

Der aktuellen Vereinbarung sollten weitere Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat folgen. Ziel sei ein umfassender Pakt, verbunden mit einer noch längerfristigen Job-Garantie bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein.

Angesichts der strategischen Neuausrichtung, der Abgas-Affäre und herausfordernder Märkte sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen, hieß es bei Audi: «Gerade in unsicheren Zeiten wollen wir unseren Mitarbeitern eine Garantie geben.» Im Zuge der weiteren Verhandlungen sollten etwa die Technologiekompetenz in Deutschland ausgebaut und die Effizienz der Heimatwerke gestärkt werden. Auch die Standortfrage für weitere Elektromodelle sowie Ideen für zukunftsweisende Geschäftsfelder stünden auf der Agenda.

Die VW-Kernmarke hatte kürzlich einen «Zukunftspakt» vorgelegt, der mit dem Abbau Zehntausender Stellen und zugleich Milliarden an Investitionen in neue Geschäfte einhergeht. Bis 2025 sollen demnach an den deutschen Standorten bis zu 23 000 und weltweit bis zu 30 000 Jobs wegfallen. Im Gegenzug werden aber auch etwa 9000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Volkswagen will dies ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen - etwa über stärkere Nutzung von Altersteilzeit.

«Die Verlängerung der Beschäftigungsgarantie bis 2020 ist für uns nur der Startschuss», betonte Audi-Personalvorstand Thomas Sigi. Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch bezeichnete die Vereinbarung als großen Erfolg: Sie sei ein «Signal zum Aufbruch» und müsse die Basis der gemeinsamen Zukunft bilden. Zusammen mit der Unternehmensleitung wolle der Betriebsrat Audi nun «aus einer Position der Sicherheit und Stärke weiter fit für die Zukunft» machen.

Der gesamte Volkswagen-Konzern muss neben hohen Investitionen in neue Geschäftsfelder wie Elektromobilität und Vernetzung weiterhin auch die finanziellen Folgelasten der Abgas-Affäre schultern. Der Oberklasse-Anbieter Audi lieferte anderen Marken der Firmengruppe etwa einen 3,0-Liter-Dieselmotor zu, dessen Abgastechnik in den USA als illegal eingestuft wird. Weil dieser Antrieb in mehr als 80 000 Wagen verbaut wurde, steht die VW-Tochter dort unter hohem Druck.

Konkurrenzgewerkschaft kritisiert Eurowings-Tarifabschluss mit Verdi

Beim Lufthansa-Billigflieger Eurowings vertreten zwei Gewerkschaften das Kabinenpersonal. Mit der einen hat das Unternehmen nun einen Tarifabschluss erzielt - die andere wettert dagegen.
Konkurrenzgewerkschaft kritisiert Eurowings-Tarifabschluss mit Verdi

Die Gewerkschaft Verdi und Eurowings haben bei Tarifverhandlungen für rund 460 Kabinenbeschäftigte bei dem Lufthansa-Billigflieger eine Einigung erzielt. Das teilten beide Seiten am Freitagabend, 2. Dezember, mit. Demnach erhöhen sich die Gehälter der Flugbegleiter zum 1. Oktober 2016 um 2,5 Prozent, am 1. Oktober 2017 um weitere 2,5 Prozent und zum 1. Oktober 2018 nochmals um 1,25 Prozent für den Zeitraum von sechs Monaten.

Eurowings wolle diesen Abschluss auch der Konkurrenzgewerkschaft Ufo anbieten, hieß es. Ufo hatte Ende Oktober bei Eurowings gestreikt.

Die Gewerkschaft Ufo allerdings bezeichnete den Tarifabschluss von Eurowings mit Verdi als «massive Provokation». «Zur Vermeidung von Arbeitskämpfen trägt dies nicht bei», sagte Ufo-Tarifexperte Nicoley Baublies am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach mit Blick auf den Verdi-Abschluss von einem «Unterbietungstarifvertrag». Ufo habe höhere Forderungen gestellt. Die Gewerkschaft werde den Abschluss nun im Einzelnen bewerten und über das weitere Vorgehen beraten.

Beide Gewerkschaften beanspruchen für sich, bei Eurowings die stärkere Gewerkschaft zu sein. Sollten beide Gewerkschaften einen Tarifvertrag erreichen, müsste ein sogenanntes Tarifeinheitsverfahren in Gang gesetzt werden - falls die Verträge miteinander kollidieren. Dann müsste notariell festgestellt werden, wer die meisten Gewerkschaftsmitglieder hat. Der Tarifvertrag der Gewerkschaft, welche die meisten Mitglieder hat, würde dann gelten.

Eurowings-Personalchef Jörg Beißel sagte, mit dem Abschluss mit Verdi sei das Unternehmen an die «Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren» gegangen. Die Einigung sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Lösung der Tarifkonflikte in der Eurowings-Kabine.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle sprach von einem «sehr guten Ergebnis». Das gute Ergebnis sei vor allem auch aufgrund der Bereitschaft der Beschäftigten erzielt worden, für ihre berechtigten Forderungen zu streiken.

BKA kann Stellen nicht besetzen

Weil Bewerber reihenweise den hauseigenen Deutschtest vermasselt haben, kann das Bundeskriminalamt (BKA) einem «Spiegel»-Bericht zufolge viele Stellen nicht besetzen. Eigentlich sollten 120 der in diesem Jahr neu geschaffenen 317 Stellen an Kommissarsanwärter vergeben werden, wie das Magazin unter Berufung auf den Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) berichtet. Doch nur 62 hätten ihre Ausbildung beim BKA angetreten.
BKA kann Stellen nicht besetzen

Als Hauptgrund nannte der BDK-Vorsitzende André Schulz den Rechtschreibtest im Aufnahmeverfahren, an dem die meisten Bewerber trotz Abitur scheitern würden. «Die Hürden bei der Aufnahmeprüfung wurden schon in den vergangenen Jahren bei der Polizei in den Ländern und beim Bund gesenkt: sei es beim Mindestalter, bei der Mindestgröße oder beim Sporttest», sagte Schulz dem «Spiegel». «Wenn nun auch der Deutschtest reduziert oder gar abgeschafft wird, muss man sich schon fragen, was mit unserem Bildungssystem nicht in Ordnung ist.»

Eine Abschaffung scheint zwar nicht bevorzustehen, wohl aber eine Änderung im Testverfahren. Zwar teilte das Bundesinnenministerium dem Bericht zufolge auf Anfrage mit, es werde an den Sprachtests festhalten. Allerdings sollten die Anforderungen im nächsten Jahr «modernisiert» werden.

Riskantes "Parken von Arbeitskräften" im Winter

Für manche Unternehmen war es ein bequemer Weg zur Einsparung von Kosten: Liefen die Geschäfte in den Wintermonaten mal nicht ganz so gut, «parkten» sie ein paar Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur. Dem will die Bundesagentur für Arbeit nun nicht mehr tatenlos zusehen.
Riskantes "Parken von Arbeitskräften" im Winter

Mit der verstärkten Vermittlung von Jobsuchern, die zum Beginn der kalten Jahreszeit ihre Arbeit verlieren, will die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Winter-Arbeitslosigkeit spürbar senken. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter wollten sich dabei den Umstand zu nutzen machen, dass manche Unternehmen inzwischen selbst in den Wintermonaten händeringend nach Fachkräften suchten, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker der Deutschen Presse-Agentur.
Firmen, die ihre Mitarbeiter in den Wintermonaten in der Arbeitslosigkeit «parkten», riskierten damit den dauerhaften Verlust gut eingearbeiteter Kräfte. «Denn Unternehmen, die in der Winterzeit neue Kräfte einstellen, werden sie wahrscheinlich auch länger halten.» Diese Fachkräfte seien dann für den ehemaligen Arbeitgeber meist verloren. Beckers Fazit: «Die gute Arbeitsmarktlage macht Winter-Entlassungen zunehmend zum Risiko.»

Stattdessen rät er Firmen- und Personalchefs, auftragsschwache Zeiten mit Instrumenten wie Arbeitszeitkonten, flexiblen Arbeitszeitmodellen oder sogenanntem Saison-Kurzarbeitergeld zu überbrücken. Der Arbeitgeberservice der örtlichen Arbeitsagenturen biete interessierten Unternehmen eine entsprechende Beratung an.
Nach Beckers Erkenntnissen ist die Winter-Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren zwar rückläufig gewesen - aber nicht in dem Maße, wie es die gute Arbeitsmarktlage eigentlich erwarten lasse. Noch immer seien in der kalten Jahreszeit rund 250 000 Männer und Frauen von Winter-Arbeitslosigkeit betroffen. Zu den Firmen, die Mitarbeiter dann in der Arbeitslosigkeit «parkten», gehörten neben dem Bau auch die Zulieferindustrie und Dienstleistungsunternehmen.

Umgekehrt sei in den letzten Jahren die Zahl der offenen Stellen kaum gesunken. «Fachkräfte haben derzeit beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt», betonte der BA-Manager. So ist nach seinen Erkenntnissen die Zahl der offenen Stellen im vorigen Winter lediglich von 612 000 auf 581 000 zurückgegangen - also nur um 31 000. Die aktuell gute Marktsituation sollten Jobcenter und Arbeitsagenturen also zur Verringerung der Winter-Arbeitslosigkeit nutzen, findet Becker.

Dank Vermittlungsoffensive weniger Winter-Arbeitslose

Für manche Unternehmen war es ein bequemer Weg zur Einsparung von Kosten: Liefen die Geschäfte in den Wintermonaten mal nicht ganz so gut, «parkten» sie ein paar Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur. Dem will die Bundesagentur für Arbeit nun nicht mehr tatenlos zusehen.
Dank Vermittlungsoffensive weniger Winter-Arbeitslose

Mit der verstärkten Vermittlung von Jobsuchern, die zum Beginn der kalten Jahreszeit ihre Arbeit verlieren, will die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Winter-Arbeitslosigkeit spürbar senken. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter wollten sich dabei den Umstand zu nutzen machen, dass manche Unternehmen inzwischen selbst in den Wintermonaten händeringend nach Fachkräften suchten, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker der Deutschen Presse-Agentur.

Firmen, die ihre Mitarbeiter in den Wintermonaten in der Arbeitslosigkeit «parkten», riskierten damit den dauerhaften Verlust gut eingearbeiteter Kräfte. «Denn Unternehmen, die in der Winterzeit neue Kräfte einstellen, werden sie wahrscheinlich auch länger halten.» Diese Fachkräfte seien dann für den ehemaligen Arbeitgeber meist verloren. Beckers Fazit: «Die gute Arbeitsmarktlage macht Winter-Entlassungen zunehmend zum Risiko.»

Stattdessen rät er Firmen- und Personalchefs, auftragsschwache Zeiten mit Instrumenten wie Arbeitszeitkonten, flexiblen Arbeitszeitmodellen oder sogenanntem Saison-Kurzarbeitergeld zu überbrücken. Der Arbeitgeberservice der örtlichen Arbeitsagenturen biete interessierten Unternehmen eine entsprechende Beratung an.

Nach Beckers Erkenntnissen ist die Winter-Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren zwar rückläufig gewesen - aber nicht in dem Maße, wie es die gute Arbeitsmarktlage eigentlich erwarten lasse. Noch immer seien in der kalten Jahreszeit rund 250 000 Männer und Frauen von Winter-Arbeitslosigkeit betroffen. Zu den Firmen, die Mitarbeiter dann in der Arbeitslosigkeit «parkten», gehörten neben dem Bau auch die Zulieferindustrie und Dienstleistungsunternehmen.

Umgekehrt sei in den letzten Jahren die Zahl der offenen Stellen kaum gesunken. «Fachkräfte haben derzeit beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt», betonte der BA-Manager. So ist nach seinen Erkenntnissen die Zahl der offenen Stellen im vorigen Winter lediglich von 612 000 auf 581 000 zurückgegangen - also nur um 31 000. Die aktuell gute Marktsituation sollten Jobcenter und Arbeitsagenturen also zur Verringerung der Winter-Arbeitslosigkeit nutzen, findet Becker.

Jobwechsel und Strukturwandel beschleunigen sich

Die Digitalisierung der Arbeitswelt beschleunigt Jobwechsel und Strukturwandel in Deutschland. Die Zahl von Akademikerinnen und Akademikern nimmt zu, die Zahlen beruflich Qualifizierter und Geringqualifizierter nehmen ab, die Komplexität der auszuübenden Tätigkeiten steigt und die Bedeutung von Bildung und Weiterbildung wächst. Das sind erste zentrale Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Polarisierung von Tätigkeiten in der Wirtschaft 4.0 — Fachkräftequalifikationen und Fachkräftebedarf in der digitalisierten Arbeit von morgen". Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) führt dieses Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durch.
Jobwechsel und Strukturwandel beschleunigen sich

„Zwei Entwicklungen lassen sich bereits jetzt festhalten: Der Berufs- und Tätigkeitswandel durch die Digitalisierung wird sich beschleunigen, und der Branchenwandel hin zu mehr technologiegestützten Dienstleistungen wird weiter an Fahrt aufnehmen“, betont BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. „Klar ist aber auch: Es gibt keine Alternative zu diesen Entwicklungen. Eine verzögerte oder gar verschleppte Umsetzung der Digitalisierung wird sich negativ auf den Wirtschaftsstandort Deutschland auswirken. Denn Deutschland würde dann weniger exportieren und müsste mehr neue Güter im Ausland nachfragen.“ Es sei, so Esser weiter, auch eine deutliche Asymmetrie im Digitalisierungsniveau der unterschiedlichen Branchen innerhalb der deutschen Wirtschaft festzustellen.

Infolge des branchen- und berufsspezifischen Strukturwandels ergeben sich neue Qualifikationsanforderungen für die Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz. „So ist abzusehen, dass in Zukunft aufgrund der Digitalisierung weniger Tätigkeiten auf Fachkräfteebene, aber dafür mehr hochkomplexe Tätigkeiten nachgefragt werden. Zum Beispiel wird der Anteil von Tätigkeiten mit IT-Bezug oder zur Betreuung und Steuerung von Prozessen steigen“, so der BIBB-Präsident. „Diese Entwicklung sollten wir jedoch nicht als Risiko, sondern vielmehr als Chance verstehen.“ Denn bereits heute würden mehr als 35 Prozent aller hochkomplexen Tätigkeiten von Personen ausgeübt, die keine akademische Ausbildung hätten. Trotz des weiter steigenden Anteils an Akademikerinnen und Akademikern werde es also auch langfristig Fachkräfte geben, die vermehrt hochkomplexe Tätigkeiten ausübten. „Voraussetzung hierfür ist, dass Fachkräfte ihre Kompetenzen auf Grundlage aktueller Aus- und Fortbildungsberufe und in einem durchlässigen Bildungssystem laufend weiterentwickeln.“

Ein weiteres Zwischenergebnis des Projekts unterstreicht: Der Wegfall von Arbeitsplätzen hängt nicht alleine vom Anteil der Routinetätigkeiten ab, deren Erledigung womöglich durch Maschinen ersetzt werden kann. Es kommt vielmehr auf den Mix von Tätigkeiten am Arbeitsplatz an. Konkret bedeutet das: Steigt der „Maschinenbezug“, also der Umfang von Tätigkeiten, die an und mit Maschinen erledigt werden, und steigen die kognitiven Anforderungen am Arbeitsplatz, dann steigen auch die Arbeitsmarktchancen – diese Beschäftigten sind „Gewinner“ der Digitalisierung. Steigt der „Maschinenbezug“ und sinken dagegen die kognitiven Anforderungen am Arbeitsplatz, dann sinken auch die Arbeitsmarktchancen – digitale „Verlierer“ sind die Folge.

Eine Auswirkung von erhöhten kognitiven Anforderungen am Arbeitsplatz wird deshalb auch ein weiterer Bedeutungszuwachs von Bildung und Weiterbildung sein. Denn bei sich verändernden und steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz kommt insbesondere der beruflichen Weiterbildung eine zentrale Rolle zu, um Kompetenzen laufend fortzuentwickeln und den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt zu entsprechen.

Osram-Beschäftigte wehren sich gegen Übernahme

Chinesische Investoren wollen Osram übernehmen, Gespräche laufen. Nun schlägt der Betriebsrat Alarm: Die Mitarbeiter befürchten die Abwanderung von Patenten und Stellen. An Großaktionär Siemens und Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) gibt es eine klare Ansage.
Osram-Beschäftigte wehren sich gegen Übernahme

Die Osram-Beschäftigten wollen einen Verkauf des Lichttechnik-Konzerns an chinesische Investoren verhindern. In einem beispiellosen Schritt hat nach der IG Metall jetzt auch der Betriebsrat Widerstand angekündigt und von der Politik ein klares Wort gefordert. Die Betriebsratsvorsitzende des größten deutschen Osram-Werks Regensburg, Irene Weininger, rief den Vorstand und den Großaktionär Siemens am 23. November zu einer klaren Absage an jeden Übernahmeversuch auf.

Als unabhängiges Unternehmen habe Osram bessere Wachstumschancen, eine Übernahme wäre nicht im Interesse der Arbeitnehmer. «Wir werden uns daher gegen jeden «feindlichen» Übernahmeversuch vehement zur Wehr setzen», kündigte Konzern-Betriebsratschef Werner Leyer an.

Siemens hält noch 17,5 Prozent der Aktien und soll Verkaufsabsichten hegen. Ein chinesisches Unternehmen hat bereits öffentlich Interesse bekundet. Osram-Chef Olaf Berlien hatte Anfang November Gespräche mit potenziellen Anlegern aus China bestätigt und gesagt, er halte auch eine Komplettübernahme für möglich. Osram beschäftigt nach dem Verkauf seiner Lampensparte noch 6400 Mitarbeiter in Deutschland, davon 3500 in Regensburg.

Die Regensburger Betriebsratschefin Weininger forderte den Siemens-Vorstand auf, «zu seinem Wort zu stehen und im besten Interesse von Osram und seiner Belegschaft zu handeln». Das habe Siemens bei der Abspaltung versprochen. Berlien forderte sie auf, «diese leidige Diskussion zu beenden» und «weiteren Gesprächen eine klare Absage zu erteilen. Es ist wichtig, dass bei Osram und seiner Belegschaft wieder Ruhe einkehrt.» Trotz hervorragender Geschäftszahlen seien viele verunsichert und befürchteten langfristig eine Abwanderung der Arbeitsplätze.

Leyer verwies auf schlechte Erfahrungen mit einem chinesischen Leuchtstoffhersteller vor drei Jahren: Der Zugang zum chinesischen Markt sei nicht besser geworden, «nur unser Know-How ist abgeflossen», sagte der Konzern-Betriebsratschef. «Diese Firma tritt heute als direkter Konkurrent von uns auf.»

Osram halte viele Patente in wichtigen Zukunftstechnologien, «auch in militärischen Anwendungsgebieten», sagte Leyer und verwies auf das Veto der US-Regierung gegen die Übernahme von Philips Lumileds durch chinesische Investoren. Deshalb «sollten alle Beteiligten - inklusive der Politik- ein Interesse daran haben, jetzt für Klarheit zu sorgen», sagte Leyer mit Blick auf Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Gabriels Staatssekretär Matthias Machnig sagte dem «Handelsblatt» (Donnerstag): «Stellungnahmen von der Arbeitnehmerseite und den Gewerkschaften werden wir sehr ernst nehmen.»

Bei einer Übernahme könnte auch der ein oder andere wichtige Kunde abspringen, um sein Know-How zu schützen, hieß es aus informierten Kreisen. Vor zwei Wochen hatte schon der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler Front gegen eine Übernahme gemacht. «Aufgrund der Risiken einer Übernahme und möglicher negativer Folgen für die Mitarbeiter werden wir uns einem Übernahmeversuch vehement widersetzen,» hatte er im «Handelsblatt» angekündigt.

Formell hat die Arbeitnehmerseite kein Vetorecht - praktisch aber könnte es schwer werden, wenn ein Investor die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, den Betriebsrat und die IG Metall geschlossen gegen sich hat. Zudem sei fraglich, ob alle Kapitalvertreter im Aufsichtsrat für einen Verkauf stimmen würden, hieß es aus Unternehmenskreisen. Damit sei fraglich, ob ein Investor vor dem Kauf überhaupt Einblick in die Bücher bekäme.

Berlin hängt bei Finanz-Start-ups Rest der Republik ab

Berlin liegt im wachsenden Markt für junge Finanzfirmen weit vor allen anderen Großstädten in Deutschland. Von den bundesweit 544 «Fintechs» saßen Ende September alleine 179 in Berlin, wie es in einer am 23. November veröffentlichten Studie der Bank Comdirect heißt.
Berlin hängt bei Finanz-Start-ups Rest der Republik ab

Der Abstand zu den Konkurrenten München (62), Frankfurt (58), Hamburg (53) und Köln (19) sei groß. «Berlin ist in einer anderen Liga», sagte Comdirect-Chef Arno Walter.» Obwohl etablierte Partnerfirmen eher in München, Frankfurt oder Hamburg zu finden seien, ziehe Berlin mit seinem Gründergeist Start-ups an.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Finanz-Start-ups in Deutschland laut Studie mit mehr als 150 Gründungen rasant gewachsen. Die jungen Finanzfirmen machen etablierten Unternehmen Konkurrenz, indem sie etwa digitale Anwendungen für Zahlungen, Kredite und Finanzierungen, den Vertrieb von Versicherungen oder die Bewertung von Immobilien anbieten.

Trotz des Abstands zu Berlin herrsche in anderen Großstädten viel Bewegung, heißt es in der Studie. So ziehe München viele Gründer für Immobilien-Dienstleistungen an und in Hamburg und Frankfurt dominierten Start-ups für Finanzierungen. Die hessische Bankenmetropole habe zuletzt gegenüber Berlin aufgeholt.

Chance oder «enormes Problem»?

Die Autoindustrie zählt neben Maschinenbau und Chemie zu den größten deutschen Wirtschaftsbranchen. Was bedeutet die E-Mobilität für die traditionellen Jobs in den Werken? Die IG-Metall-Spitze und wichtige Betriebsräte schwanken zwischen Alarmstimmung und Zuversicht.
Chance oder «enormes Problem»?

Die Beschäftigten der Autoindustrie müssen sich nach Einschätzung der IG Metall wegen der E-Mobilität und Digitalisierung auf massive Umwälzungen bei den Anforderungen im Job gefasst machen. Dabei dürfte es laut Gewerkschaftschef Jörg Hofmann schwierig werden, die Chancen neuer Aufgaben mit der wohl sinkenden Zahl an klassischen Tätigkeiten im Bau von Verbrennungsmotoren auszubalancieren.

«Wir brauchen die Elektrifizierung des Antriebsstrangs hier in Deutschland, um Rationalisierungseffekte zumindest teilweise auszugleichen», sagte Hofmann in Berlin. Die IG Metall will das Thema zusammen mit den Betriebsräten der großen Auto- und Zulieferkonzerne stärker angehen. Der Gewerkschaft zufolge arbeiten etwa 250 000 der 880 000 im Fahrzeugbau beschäftigten Menschen in der Antriebstechnik.

«Jede Menge Beschäftigte müssen umqualifiziert werden», erklärte der Betriebsratschef von Daimler, Michael Brecht. Man versuche, so viele Mitarbeiter wie möglich in die neue Zeit mitzunehmen. Es gebe aber Grenzen. «Nicht jeder, der Ingenieur ist, kann auch Apps schreiben.»

Der Vize-Betriebsratschef von Bosch, Hartwig Geisel, ist skeptisch, ob sich der Trend weg vom Verbrennungsmotor ohne personellen Aderlass vollziehen lässt: «25 000 Arbeitsplätze bei Bosch in Deutschland hängen am Verbrennungsmotor. (...) Wir werden da ein enormes Problem bekommen.» Zulieferer gerieten unter Druck, weil Autobauer einen Teil der neuen Themen an sich zögen. «Der Kuchen wird neu verteilt.»

Bei Volkswagen hat der Umbruch in der Branche den «Zukunftspakt» mit ausgelöst. Dieser soll die internen Sparzwänge nach der Diesel-Krise und die Neuorientierung unter einen Hut bringen. Dazu sei schon ein «größerer dreistelliger Millionenbetrag» für Qualifikationsmaßnahmen eingeplant, berichtete Betriebsratschef Bernd Osterloh. Von den 9000 Jobs, die neu geschaffen werden sollen - bei gleichzeitiger Kürzung von weltweit 30 000 Stellen -, kämen 6000 aus Umqualifizierung. «Die anderen 3000 müssen wir vom Arbeitsmarkt holen», sagte Osterloh.

Für Hofmann hat die Elektromobilität großes Potenzial - aber die Bundesregierung müsse realistisch bleiben. «Das Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bringen, ist faktisch kaum mehr erreichbar», meinte er mit Blick auf Engpässe bei der Infrastruktur und die relativ hohen Autopreise. «Aber wer heute am grünen Tisch das Ziel von null Verbrennern bis 2030 vorgibt, wird ebenfalls scheitern.» Die Grünen hatten einen Zulassungsstopp für neue Benzin- oder Dieselautos ab 2030 vorgeschlagen.

Eine weitere Verschärfung der CO2-Ziele in der EU ist aus Sicht der IG Metall richtig. Ein Papier nennt als Ziel, nach 2020 durch eine weitere Optimierung des Verbrennungsmotors jährlich 1,5 Prozent weniger des Treibhausgases auszustoßen. Bis 2030 könnte der Grenzwert so auf 70 Gramm je Kilometer sinken. Der Umweltforscher-Verbund ICCT glaubt, dass die Branche diesen Wert schon bis 2025 umsetzen kann.

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