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Auch Heimarbeit kann krank machen

Heimarbeit dpa

Mit dem Laptop daheim zu arbeiten, kann praktisch sein - spart man doch den Weg ins Büro oder kann nebenher Kleinigkeiten im Haushalt erledigen. Aber für die Gesundheit ist Tele- oder Heimarbeit nicht immer gut. Während im Büro meist sichere Schreibtische und ergonomische Bürostühle stehen, behelfen sich viele zu Hause mit dem Küchentisch oder dem Sofa. Angesichts des sich rasant wandelnden Arbeitsumfelds hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf 19. April neue Anstrengungen im Arbeitsschutz gefordert.

Rund 374 Millionen Menschen werden nach ILO-Angaben weltweit jedes Jahr durch die Arbeit krank oder verletzen sich bei Arbeitsunfällen. Jeden Tag sterben nach Schätzungen 6500 Menschen an Krankheiten, die durch ihre Arbeit verursacht wurden, und 1000 Menschen kommen bei Arbeitsunfällen um. Wachsende Herausforderungen seien Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs sowie Stress und psychosoziale Risiken, so die ILO. Das gehe unter anderem auf befristete Arbeitsverträge zurück, auf Arbeitgeber-Forderungen nach mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und zunehmende Tele- oder Heimarbeit. Arbeitnehmer könnten sich dort isoliert fühlen oder es stressig finden, wenn Arbeit und Freizeit immer weniger klar getrennt sind. Zu Stress und Gefühlen der Isolation führten manchmal auch smarte Technologie und am Körper tragbare Geräte. Sie könnten zwar helfen, die Sicherheit zu verbessern, etwa, indem sie Ermüdungserscheinungen messen oder die Qualität der Luft, in der jemand arbeiten muss, so die ILO. Aber Mitarbeiter bekämen dadurch auch unter Umständen das Gefühl, die Autonomie über ihre Arbeit zu verlieren, so die ILO. Sie könnten den Kontakt mit Kollegen vermissen, während sie früher mehr Informationen direkt oder per Telefon ausgetauscht haben. In Deutschland müssen Plätze für Tele-Arbeit eigentlich den gleichen Vorschriften entsprechen wie im Betrieb. Arbeitgeber sind nach der Arbeitsstättenverordnung angehalten, die Arbeitsplätze ergonomisch zu gestalten und ihre Beschäftigten zu unterweisen. Viele Beschäftigte arbeiten aber auch außerhalb dieser gesetzlichen Regelungen von zu Hause oder unterwegs, sagt der Experte Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Nach nationalen und internationalen Befragungsdaten sei Homeoffice in Deutschland noch nicht so weit verbreitet wie beispielsweise in den Niederlanden oder Dänemark. EU-weit liege Deutschland im unteren Mittelfeld, berichtet der Forscher. Am schwierigsten seien sicherlich Jobs, die komplett von zu Hause erledigt würden. Hier sei die Gefahr der sozialen Isolation am höchsten, auch ergäben sich Probleme in Betrieben, die noch eine ausgeprägte Präsenzkultur pflegten. Die Chance, Beruf und Privates zu vereinen, berge auch die Gefahr, die beiden Bereiche zu sehr zu vermischen, sagte Backhaus. Im Homeoffice würden die Menschen zudem häufig länger arbeiten und die arbeitsmedizinisch sinnvollen Ruhepausen seltener einhalten. «Intensivierung und Entgrenzung sind die Krux der modernen Arbeitswelt», erklärte das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban in Frankfurt. Die Bundesländer als Aufsichtsbehörden versagten beim Gesundheitsschutz: Statt kontinuierlich Aufsichtspersonal zu reduzieren, müsse wieder aufgebaut werden. «Der Bund muss endlich eine Anti-Stress-Verordnung erlassen, um psychische Belastungen bei der Arbeit abzubauen.» Die meisten Gefährdungen seien schließlich schon lange bekannt. Auch der rasante Anstieg von Industrierobotern bringt nach Angaben der ILO neue Risiken mit sich. Roboter erleichterten zwar die Arbeit, etwa weil sie schwere Lasten heben. Gleichzeitig bestehe aber die Gefahr von Arbeitsunfällen im Kontakt mit diesen Maschinen. Behörden, Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten diese neuen Risiken untersuchen und Arbeitsstandards wo nötig verbessern, fordert die ILO. Die Organisation gehört zu den Vereinten Nationen. Darin sind neben Regierungen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertreten. Die ILO soll die soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrechte verbessern. (Text: dpa)