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MV Werften und Lloyd-Werft insolvent

Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Schock an der Küste: Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern und die Bremerhavener Lloyd-Werft haben am Montag ( 10. Januar) Insolvenz angemeldet. Beide Unternehmen gehören zum Hongkonger Mischkonzern Genting, der in Schwierigkeiten steckt. Gentings Kreuzfahrtsparte ist wegen der Pandemie in Schieflage geraten. Der Handel mit Aktien an der Börse in Hongkong ist seit dem 7. Januar ausgesetzt.

Bei den MV Werften geht es um rund 1900 Beschäftigte und beim Bremerhavener Schiffbaubetrieb um etwa 300 Arbeitsplätze. Das Ausfallrisiko des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei den MV Werften beläuft sich nach Angaben aus der Landesregierung auf bis zu 379 Millionen Euro - 301 Millionen Euro Kreditbürgschaften und ein zugesagter Kredit über 78 Millionen Euro für den Mutterkonzern, dessen Auszahlung das Land zu verhindern sucht. Die oppositionelle AfD im Landtag forderte einen Untersuchungsausschuss. Der Kredit sei am Montag, nach dem Insolvenzantrag für die MV Werften, gekündigt worden, hieß es aus den Regierungskreisen. Das Land sehe keinen Grund mehr, den Mutterkonzern zu unterstützen. Am Dienstag wird am Landgericht Schwerin über den Kredit verhandelt, dessen sofortige Auszahlung Genting verlangt. Für die Lloyd-Werft wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter der Hamburger Rechtsanwalt Per Hendrik Heerma eingesetzt. Er hatte diese Funktion auch bei der Elsflether Werft übernommen, die 2019 mit der Sanierung des Marineschulschiffs «Gorch Fock» scheiterte. Für die MV Werften sei noch kein Insolvenzverwalter benannt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Schwerin. Den MV Werften war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus des Kreuzfahrtschiffes «Global Dream» für bis zu 10 000 Passagiere zu sichern. Verhandlungen von Genting und der Werft mit Bund und Land scheiterten. Die Schuld daran weisen Landes- und Bundespolitiker Genting zu: Der Konzern sei nicht bereit gewesen, einen Anteil von 60 Millionen Euro am Rettungspaket zu tragen. Der Bund war demnach bereit, 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zu geben. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Als Bundesregierung haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Insolvenz der MV Werften zu vermeiden und so die Arbeitsplätze zu retten. Allerdings haben die Eigentümer unser Hilfsangebot ausgeschlagen; die Anmeldung der Insolvenz ist die Folge.» Die IG Metall sprach von einem «schwarzen Tag» für den Schiffbau in Deutschland. Bezirksleiter Daniel Friedrich betonte: «Wir sind entsetzt, dass es soweit kommen musste.» Dass die Verhandlungen zu keiner Lösung geführt hätten, sei ernüchternd. «Das Vertrauen auf allen Seiten scheint endgültig aufgebraucht.» Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte, sie hoffe auf die schnelle Einsetzung eines Insolvenzverwalters. Zunächst solle das Kreuzfahrtschiff in Wismar vollendet werden. Dies sichere Arbeit. Im zweiten Schritt müssten Perspektiven für die Standorte Wismar, Rostock und Stralsund entwickelt werden. Schwesig kündigte eine Sondersitzung des Landtags zu den MV Werften an. Auch die IG Metall forderte den Fertigbau der «Global Dream» in der Insolvenz. Zudem sei es wichtig, schnell auf mögliche Investoren zuzugehen und die Werften neu auszurichten. In Bremerhaven und Stralsund habe es bereits vor der Insolvenz Interessenten gegeben. Für den Verband für Schiffbau und Meerestechnik ist jetzt entscheidend, den Erhalt der vier Standorte an der Ostsee und in Bremerhaven im Rahmen eines Eigentümerwechsels zu ermöglichen. Die deutsche Schiffbauindustrie könne sich einen weiteren Substanzverlust in dieser Größenordnung nicht leisten, teilte der Verband mit. Die maritime Industrie stehe vor einem Umbruch. Die gesamte Flotte müsse auf Klimaneutralität umgestellt werden. Ferner müssten die Offshore-Industrie und die Infrastruktur für nachhaltige Kraftstoffe stark ausgebaut werden. «Dafür werden in den kommenden Jahren umfangreiche Produktionskapazitäten in der maritimen Industrie benötigt», erklärte der Verband. Vor diesem Hintergrund könne sich die Insolvenz auch als Chance erweisen. Der Genting-Konzern hatte die Werften 2016 übernommen, um dort für eigene Reedereien Kreuzfahrtschiffe bauen zu lassen. Nach dem coronabedingten Zusammenbruch des Kreuzfahrtmarktes Anfang 2020 geriet Genting aber in finanzielle Schieflage. Die für 2021 erwartete Trendwende blieb aus. (Text: Iris Leithold, dpa)