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Verlust innovativer Angestellter

Angestellter

Firmen unternehmen oft große Anstrengungen, um zu verhindern, dass ihre Angestellten zu Konkurrenten abwandern. Neben dem Verlust von Talenten fürchten sie vor allem die Weitergabe von Wissen. Eine neue Studie von Stefan Wagner, Professor für Strategie an der ESMT Berlin, und Martin Goossen von der Universität Tilburg zeigt jedoch: Der Wechsel von Schlüsselangestellten zu einem Wettbewerber, etwa Forschungspersonal, kann den Unternehmen sogar Vorteile bringen.

Als »Brücke« zwischen ihrem neuen und alten Arbeitgeber fördern diese mobilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Bildung von Kooperationen bei Forschung und Entwicklung (F&E). Die daraus entstehenden Vorteile können die Nachteile des Verlusts der Angestellten überwiegen. Den Autoren zufolge steigt die Wahrscheinlichkeit einer F&E-Partnerschaft im Durchschnitt um 33 Prozent, wenn mindestens eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler innerhalb der letzten fünf Jahre zwischen beiden Unternehmen gewechselt ist. Die Daten zeigen auch, dass solche Allianzen innovativer sind. Die Zahl der eingereichten Patente innerhalb von drei Jahren nach Zustandekommen der Kooperation erwies sich als fast doppelt so hoch. Das Schmieden strategischer Partnerschaften ist in der Regel sehr schwierig, da beide Seiten unvollständige Informationen sowie unterschiedliche technologische Fähigkeiten, Ziele und Erwartungen haben. »Gespräche zwischen potenziellen Kooperationspartnern scheitern häufig, was meist mit hohen direkten Kosten und verpassten Chancen einhergeht«, erklärt Leitautor Wagner. »Die Einbeziehung von Personen, die mit beiden Seiten vertraut sind, in den Entscheidungsprozess hilft nicht nur bei der Bildung von Allianzen, sondern führt auch zu effektiveren Partnerschaften.« Die Forscher konzentrierten sich bei ihrer Untersuchung auf F&E-Allianzen in der Pharmaindustrie. Dort sind derartige Kooperationen eine gängige Methode, um Innovationen voranzutreiben, da sie die Belastung der kostspieligen Entwicklung neuer Medikamente für das einzelne Unternehmen verringern. Für ihre Studie sammelten die Autoren Daten über die Bildung von Allianzen unter den 55 größten Pharmaunternehmen über einen Zeitraum von 16 Jahren. Sie erfassten sämtliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in dieser Zeit von einem Unternehmen zu einem anderen in der Branche gewechselt sind - das betraf über 8.200 von insgesamt 130.000. Darüber hinaus führten die Autoren ausführliche Interviews mit 15 hochrangigen Pharma-Führungskräften aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich, die für Forschung und Entwicklung sowie Business Development verantwortlich sind. »Die Interviews zeigen, dass Angestellte, die beide Seiten kennen, aus mindestens zwei Gründen als Brücken fungieren«, sagt Wagner. »Zum einen verringert ihr Wissen über die Technologien und strategischen Motivationen ihres ehemaligen Arbeitgebers die Informationsunsicherheit. Es lässt sich also besser einschätzen, ob die potenziellen Partner zusammenpassen. Zum anderen, und das ist noch wichtiger, können sie ihren neuen Kolleginnen und Kollegen erklären, wie ihr alter Arbeitgeber die Möglichkeiten und Aussichten der Allianz einschätzt, weil sie mit der Unternehmenskultur und den Entscheidungsabläufen vertraut sind.« Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für die Bildung von F&E-Kooperationen relevant. Sie lassen sich beispielsweise auch auf Verhandlungen über Outsourcing-Verträge, Joint Ventures sowie Fusionen und Übernahmen übertragen. (Text: European School of Management and Technology (ESMT)